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Kunst : Schneller Mann

  • -Aktualisiert am

Dieser Mann ist nicht zu halten: Samuel Keller leitet die „Art Basel“, den bedeutendsten Börsenplatz des zeitgenössischen Kunstbetriebs. Nun wechselt er zur Riehener Fondation. Hat er genug vom schnellen Markt?

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          Trendbeobachter haben es schon immer gewußt: Der Mann ist nicht zu halten. Zu den fünfzig Schnellsten der Welt soll er gehören, hat ein amerikanisches Magazin gestoppt. Und kein Porträtist, der das sportliche Schuhwerk unter der Designerhose nicht erwähnte.

          Tatsächlich hatte Samuel Keller kaum ein Studium der Kunstgeschichte und der Philosophie begonnen, als er schon jobbend der Messe Basel auffiel. Binnen kurzem war er Pressesprecher, in wenigen Monaten Senior Communications Manager, und nur noch ein Karrieresprung trennte ihn vom Deputy Direktor. Seit 2000 leitet der heute vierzigjährige Schweizer die Kunstmesse „Art Basel“, den bedeutendsten Börsenplatz des zeitgenössischen Kunstbetriebs. Wer es dort nicht in die Charts schafft, braucht es anderswo gar nicht zu probieren. Und natürlich probierte Keller gleich einmal, die Nobelmarke mit Gewinn zu verkaufen, erfand die „Art Basel Miami“, knüpfte ins bewährte Netz die jungen Maschen, schuf zu Kunst und Geld noch die Beach-Stimmung, die im wenig ausgelassenen Basel fehlt.

          Genug vom schnellen Markt?

          So jemanden läßt man nicht gehen. So jemand ist immer unterwegs. Aber jetzt hat ihn Ernst Beyeler gefangen, holt ihn an seine Riehener Fondation, wo der Architektur und der Sammlung und den großen Ausstellungen zuliebe die Leute noch immer Schlange stehen. Im Frühjahr 2008 soll Keller die Nachfolge von Christoph Vitali antreten. Der Messe bleibe er weiterhin erhalten, heißt es im Ablöseprotokoll - als „Präsident der Art Kunstmesse AG auf strategischer Ebene“.

          Hat der schnelle Mann nun doch genug vom schnellen Markt? Eher unwahrscheinlich. Eher unwiderstehlich das Angebot, das der bald fünfundachtzig Jahre alte Ernst Beyeler dem quirligen Kunstmanager gemacht haben wird. Auch wenn Keller noch die eine oder andere Messe-Tochter auf internationale Brautschau hätte schicken können, die Kuppelei wäre doch die gleiche geblieben. Jetzt hat er wieder seine Herausforderung. Und Ernst Beyeler den jugendlichen Lotsen, der seinen Museumsluxusliner aus den Untiefen zu steuern verspricht. Denn der Betrieb des wunderbaren Hauses verschlingt immense Mittel, die trotz des einzigartigen Rufs, trotz verführerischer Ausstellungen und erfolgreichem Marketing kaum noch einzuspielen sind. Seit Jahren sucht Beyeler nach neuen Ideen, neuen Konzepten. Mit Christoph Vitali, dessen Berufung zunächst als Glücksfall galt, stimmte das Zusammenspiel bald nicht mehr, und so kaschiert Kellers Inthronisation nur Vitalis faktische Entlassung.

          Der neue Mann hat noch nie eine Ausstellung organisiert und würde ein Proseminar zum Spätwerk von Paul Cezanne wohl nur mit Tutorenhilfe bestehen. Dafür hat er eine gepflegte Adressenkartei, unterhält vorzügliche Kontakte zu Sammlern, zu Händlern, zur aktiven Szene weltweit. Warum sollte er in Basel nicht ähnlich klug, behutsam, phantasievoll vorgehen wie sein Kollege Max Hollein in Frankfurt? Das sportliche Schuhwerk unter der Designerhose vertrüge die Entlüftung schon.

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