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Kunst nach NS-Geschmack : Als Hermann Göring noch Modigliani lobte

  • -Aktualisiert am

Erfolg und Verfolgung: Wie sehen Bilder aus, die den Nationalsozialisten gefielen? In Berlin, Frankfurt und Hanau geben Ausstellungen verblüffende Antworten und üben den Betrachter in Demut.

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          Zu den aufschlussreichsten Selbstversuchen, die Museumsbesucher an einer wachsenden Zahl von Orten durchführen können, gehört der folgende: Man besuche eine Ausstellung, die Kunst aus den Jahren 1933 bis 1945 zeigt. Man lasse sämtliche Angaben zu einem Werk beiseite – Titel, Künstlernamen, Datum – und konzentriere sich ausschließlich auf das Bild oder die Skulptur. Man rate daraufhin, für wen die Künstlerin oder der Künstler produzierte. Wer malte für das Regime und wurde geehrt? Wer dagegen und wurde verfolgt?

          Tatsächlich laden zurzeit einige Ausstellungen zu diesem Experiment ein. Das ist bereits ein Novum. Noch vor wenigen Jahren wurde NS-Kunst nur unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen gezeigt, als müsste jederzeit eine ungewollte propagandistische Durchschlagskraft befürchtet werden. Vor Müllsäcke etwa wurden die Werke in Ausstellungen gehängt, vor Gitter oder auf den Gang zur Toilette. Von dieser Präsentation haben sich viele Kuratoren verabschiedet. Mehr noch: Die Kunst des Nationalsozialismus wird immer häufiger der verfemten direkt gegenübergestellt. Das ergibt in einigen Fällen Sinn, weil Erfolg und Verfolgung in Personalunion auftreten konnten.

          Erkenntnisgewinn durch Selbstversuch

          In Frankfurt und Hanau sind derzeit zwei Ausstellungen mit dem Titel „Reinhold Ewald – 1890–1974“ zu sehen, konzipiert innerhalb eines Forschungsprojekts des Kunsthistorikers Gregor Wedekind. Im Jahr 1937 wurden Werke von ebenjenem Ewald aus Museen in Frankfurt und Darmstadt als „entartet“ beschlagnahmt. Gleichzeitig bemühte sich der Künstler, der 1933 in die NSDAP eingetreten war, Propagandabilder für das Regime zu liefern, auch solche hängen in der aktuellen Doppelschau. Als Ewald jedoch 1940 einen Frauenakt bei der Großen Deutschen Kunstausstellung in München einreichte, der jährlichen Leistungsschau des deutschen Kunstschaffens, erhielt er vom Auswahlkomitee eine Absage. Ewalds Nackte, von der sich nun jeder selbst ein Bild im Museum Giersch machen kann, trägt ihren Bubikopf wie einen kleinen schwarzen Helm, sie sitzt hell leuchtend auf dunklem Grund, einer mit dem Spachtel gemalten Tagesdecke. Zu modern gemalt? Falscher Frauentyp? Aber wenn es so einfach wäre, warum konnte Ewald sich das nicht denken, er stand ja den Nationalsozialisten nahe. Der Künstler jedenfalls war niedergeschmettert und ratlos. In der Nachkriegszeit strich er den Nationalsozialismus aus seiner Biographie.

          Von den Versuchen, sich anzudienen, handelt unter anderem ebenfalls die Ausstellungen „Die Schwarzen Jahre – Geschichten einer Sammlung 1933–1945“. Der Titel spielt auf ein Gemälde Karl Hofers von 1943 an. Gezeigt werden darüber hinaus Werke, die in diesen Jahren geschaffen, beschlagnahmt oder erworben wurden und heute der Nationalgalerie gehören. Programmatisch schreibt Udo Kittelmann, der Direktor der Nationalgalerie, die Ausstellung wolle „die über Jahre hinweg dominierende Vorstellung einer linearen Stilgeschichte infrage stellen“. Ebendeshalb, weil die Schau nicht nur eine vergangene Zeit, sondern auch eine kunsthistorische Erzählung aufsprengen soll, die bis heute wirkmächtig ist, wurde sie in den Hamburger Bahnhof verlegt, das Museum für Gegenwartskunst. Die Ausstellungsarchitektur unterstreicht den Anspruch: Schwarze Wände durchkreuzen die Räume, es gibt Durchbrüche und Gerüste. Wie Bühnenarbeiter können die Besucher die dunklen Kulissen beidseitig einsehen. Wieder hängen Verfolgte und Geförderte dicht beieinander.

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