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Über Ausstellungen schreiben : Kunst muss misslingen können!

  • -Aktualisiert am

Merkwürdige Substantivierungen und wild gewordene Metaphern in labyrinthischen Schachtelsätzen: Warum die derzeitige Ausstellungsprosa zeitgenössischer Kunst einen Bärendienst erweist. Ein Gastbeitrag.

          9 Min.

          Vor ein paar Wochen ist die Amerikanerin Marilyn Hartman am Flughafen O’Hare in Chicago festgenommen worden. Sie hatte – wieder einmal – versucht, ohne Ticket an Bord eines Flugzeugs zu gelangen. Im vergangenen Jahr war sie auf diese Weise, so die Pressemitteilung, immerhin von Chicago nach London geflogen. Nun ist die „notorische blinde Passagierin“ des Hausfriedensbruchs angeklagt und wartet im Gefängnis auf ihr Verfahren.

          Leicht könnte man sich Mrs. Hartman als Künstlerin vorstellen, ihre ticketlosen Flugversuche als Kunstprojekt. Es erscheint fast ein wenig verwunderlich, dass sie selbst offenbar noch nicht auf diese Idee gekommen ist. Die dazugehörigen Katalogtexte und Galerie-Rundmails wären in wenigen Minuten geschrieben. „Hartman verbindet in ihren Arbeiten Strategien des zivilen Ungehorsams mit situationistischer Praxis und lenkt so auf subtile Weise die Aufmerksamkeit auf das Feld des Politischen. Als ,blinder Passagier‘ macht sie auf die weltweiten Migrationsströme der sans papiers und auf die jahrhundertealte Dialektik von staatlicher Überwachung und klandestinem Reisen aufmerksam.“

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