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Asien im Berliner Schloss : Der Himmel gehört dem Reich der Mitte

  • -Aktualisiert am

Zentral erschlossen: Wang Shu stellt die chinesische Kultur unter ein Dach aus Pappelhölzern Bild: Alexander Schippel

Wie aufgespießt und wie auf einer Architektur-Biennale: Die Präsentation von Kunst aus Japan, China und Korea im Berliner Schloss ist ein Spiegel der neuen Weltordnung.

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          Im Humboldt-Forum im Herzen Berlins – und damit in gewisser Weise des Landes –, stehen sich zwei kon­träre zeitgenössische Architekturen gegenüber, die die neuen weltpolitischen Gewichte in Ostasien de­mon­strie­ren. Wäh­­rend die Präsentation der chinesischen Kultur auf imperialen Glanz ausgerichtet ist, bezieht sich die Präsentation ja­panischer Kunst auf die reduzierte Zen-Ästhetik und die Nachkriegsgeschichte. Na­tür­lich inszenieren sich die Länder nicht selbst, aber doch Landeskinder. Das Mu­seum für Asiatische Kunst im Westflügel des barocken Schlosses bildet mit seinem Bestand von dreizehntausend Exponaten die umfangreichste und bedeutendste Sammlung nordostasiatischer Kunst in Deutschland, aber seine Innenraumgestaltung wirkt bis auf zwei Interventionen von Architekten aus Japan und China verzagt.

          Während das moderne japanische Teehaus von dem Architekten Jun Ura aus Ka­nazawa eine oktogonale Form bekommen hat, die der orthogonalen Geometrie der acht Tatami-Reisstrohmatten im Raum wi­derspricht, verlieh der berühmte chine­sische Architekt Wang Shu den spröden Interieurs des Humboldt-Forums royalen Glanz. Wang ist der erste und bisher einzige Architekt aus China, der den Pritzker-Preis empfangen hat.

          Zwei Kulturen prallen aufeinander

          So unterschiedlich wie diese beiden ar­chitektonischen Stile sind auch die beiden Kulturen, die vis-à-vis der Museumsinsel nebeneinander präsentiert werden. Unerwartet drückt sich die neue Weltordnung in Nordostasien auch in der Ber­liner Ausstellungsgestaltung aus: Das Reich der Mitte wird als aufstrebende Weltmacht inszeniert, in der der Kommunismus an die Stelle des Kaisers trat, während das Land der aufgehenden Sonne als Reich gezeigt wird, das in der Nachkriegszeit seinen bisher letzten Hö­hepunkt erlebte. Die chinesische Kultur hat von den Staatlichen Museen zu Berlin einen acht Meter hohen und zentral erschlossenen Saal bekommen. Durch die japanische Kollektion dagegen gehen Besucher in parallelen Wegen, niemals axial, wie man es von Zugängen zu Tempeln und Schreinen in Japan kennt. Korea wiederum – in der Geographie wie im Berliner Museum zwischen seinen beiden großen Nachbarn unglücklich eingeklemmt – bleibt im Humboldt-Forum völlig unterbelichtet, da das Museum kaum koreanische Artefakte besitzt.

          Die Japan-Ausstellung wirkt verschlossen: In nüchternen Metallschränken werden Rollbilder, Keramik- und Lackarbeiten so präsentiert, dass von der japanischen Omotenashi-Kultur der Sinnlichkeit, von dem Vermögen, mit warmen, haptischen Materialien und feinen Details Wohn- und Gastlichkeit herzustellen, nichts zu spüren ist. Der Fokus der Sammlung liegt auf der säkularen Nihonga-Malerei, aber die au­ratischen Kunstwerke werden präsentiert wie in einer Vitrine aufgespießte Schmetterlinge. Der Ausstellungsdesigner Ralph Appelbaum aus New York hat sein Renommee mit der Gestaltung eines Holocaust-Museums in den Vereinigten Staaten er­worben. Besondere Affinität zur ost-asia­tischen Ästhetik zeigt sein Entwurf nicht.

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