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Karl-Heinz Adler im Gespräch : Von der Freiheit im System

  • -Aktualisiert am

Karl-Heinz Adler im Dresdner Albertinum Bild: dpa

In der DDR hätte er eine staatliche Genehmigung gebraucht, um ausstellen zu dürfen – doch die bekam Karl-Heinz Adler nie: ein Gespräch mit dem Dresdner Künstler, der an diesem Dienstag neunzig Jahre alt wird.

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          Der Künstler und Architekt, Grafiker und Konzeptkünstler Karl-Heinz Adler wurde an diesem Dienstag vor neunzig Jahren, am 20. Juni 1927, in Remtengrün geboren. Er gilt als einer der bedeutendsten Konkreten Künstler der DDR. Weil dort jede Form von abstrakter Kunst als westlich-dekadent galt, suchte Adler andere Wege, künstlerisch zu arbeiten. In den fünfziger Jahren unterrichtete er an der TH Dresden auf dem Gebiet der Architektur und Bauplastik. Aus seinen Collagen, die auf dem Prinzip der Schichtung serieller geometrischer Elemente basierten, entwickelte er ab 1968 zusammen mit Friedrich Kracht ein Betonformsteinsystem und serielle Systeme für Fassaden, Brunnen und Spielplätze, die ab 1970 industriell gefertigt wurden und als Raumteiler oder Fassadengestaltung die Ostmoderne und den öffentlichen Raum in der DDR entscheidend prägten. (nma)

          Sehr geehrter Herr Adler, in der DDR waren Sie als „Konkreter“ von staatlicher Seite nicht als Künstler anerkannt und hatten faktisch Ausstellungsverbot. Die Maler der sogenannten Leipziger Schule erhielten dagegen prestigeträchtige Aufträge. Haben Sie das offizielle Kunstgeschehen in der DDR trotz Ihrer Benachteiligung mit Interesse verfolgt?

          Wir wurden durch Ausjurierung nicht in den offiziellen Kunstausstellungen der DDR mit Konkreten Kunstwerken gezeigt. Die Autodidakten in der Konkreten Szene wurden erst gar nicht in den Künstlerverband der DDR aufgenommen, und damit hatte sich die Frage nach Ausstellungsbeteiligungen für sie sowieso erledigt. Das offizielle Kunstgeschehen haben wir trotzdem wahrgenommen, wenngleich es in unseren Augen im Prinzip schlechte Kunst war.

          Was hat Sie an den Werken der Leipziger Maler gestört? War das für Sie nur willfährige Staatskunst?

          Als willfährige Staatskunst kann man die Bilder der Leipziger Schule sicher nicht bezeichnen. Die Staatsführung der DDR war zwar mit ihrer Gegenständlichkeit einverstanden, aber die Werke sind – wie das auch sein sollte – von jedem Künstler formal individuell ausgeprägt.

          Würden Sie der Malerei der Leipziger Schule eine kritische Kommentarfunktion im öffentlichen Gesellschaftsdiskurs der DDR zusprechen?

          In Werken wie Wolfgang Mattheuers „Ausgezeichnete“, dem „Sizilianischen Großgrundbesitzer“ von Werner Tübke und vor allem dessen „Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze III“ klingt durchaus Gesellschaftskritik an. Doch sind die Bilder in eine Form gegossen, die mir persönlich nicht liegt.

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          Wie haben Sie sich trotz der massiven Einschränkungen von staatlicher Seite Ihre künstlerischen Freiräume geschaffen?

          Künstlerische Freiheiten wurden nur geduldet, insofern sie nicht die Kulturpolitik der DDR berührten. Um die Freiheit zum künstlerischen Schaffen zu haben, brauchte man Geld zum Leben. Das war für mich durch bezahlte Forschungsaufträge zur ästhetischen Sichtflächen-Gestaltung im Bauwesen möglich.

          Wie bewerten Sie im Rückblick Ihr Verhältnis zum sozialistischen Staat?

          Solange man in der DDR lebte, war es für uns unumgänglich, als Freiberufler mit staatlichen Stellen zu verhandeln. Das bezieht sich auf die Teilnahme an Ausstellungen, das Besuchen von internationalen Messen für Baustoffe oder ebenso auf Lizenzverhandlungen mit ausländischen Geschäftspartnern. Unser Verhältnis zum sozialistischen Staat war ambivalent. Kracht kam aus einer links eingestellten Familie des Ruhrgebiets. Der Vater hatte im KZ gesessen, war Widerstandskämpfer gewesen und lag mit Partei und Staat ständig im Streit. Auch ich wurde durch meinen Umgang mit ehemaligen KZ-Häftlingen politisch links orientiert. Durch unser kritisches Auftreten gab es natürlich Schwierigkeiten erheblicher Art. Aber durch die Erfolge in der Forschungsarbeit konnten wir uns andererseits auch manches leisten. Selbst Dienstreisen in die Bundesrepublik Deutschland, nach Schweden, Österreich waren möglich.

          Das Formsteinsystem antwortet nicht zuletzt durch seine technisch-serielle Fertigungsweise auf die baukulturellen Bedürfnisse einer egalitär ausgerichteten Massengesellschaft. Ist die Konkrete Gestaltungsweise in Ihren Augen die eigentliche und wahre sozialistische Kunst?

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