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Die Queen und die Architektur : Verkünderin der Moderne

  • -Aktualisiert am

Ingenieurskunst mit Königinnenwürdigung: Elisabeth II. bei Einweihung der Millennium Bridge Mai 2000 Bild: Stewart Mark/Laif

Ihr persönlicher Geschmack wies in andere Richtungen, doch als Königin wurde Elisabeth II. nicht immer ganz freiwillig zu einer Werbefigur der architektonischen Avantgarde.

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          Elisabeth II. lacht vor einer gewaltigen, herrlich groben Sichtbetonwand, deren Kiesel- und Marmoreinschlüsse im Blitzgewitter glitzern: Diese Verbindung von radikaler architektonischer Moderne und der angeblich so konservativen britischen Monarchie entspricht so gar nicht dem Bild, das derzeit auch in Deutschland von der Regentschaft der Königin gezeichnet wird. Es konzentriert sich auf den traditionellen Prunk und das Zeremoniell, auf Zerwürfnisse in der Familie Windsor und, ganz am Rand, auf die Frage, inwieweit die Königin auch in der imperialistischen und rassistischen Tradition des Empires stand.

          Es scheint vergessen, dass Großbritannien wenigstens in den ersten drei Jahrzehnten der Nachkriegszeit auch als ästhetisches Experimentierfeld für jene im Westen galt, die aufbrechen wollten in eine sozial und kulturell gerechtere Zukunft. Der britische Wohnungsbau war international mindestens so einflussreich wie der skandinavische. Es sollten preiswerte Wohnungen für breite Bevölkerungsschichten entstehen, klug geschnitten und ausgestattet mit Bädern, gut ausgestatteten Küchen, Einbauschränken und Balkonen, eingebettet in sorgfältig geplante Grünanlagen. Gerade die innerstädtischen Bauten könnten bis heute noch vorbildlich sein – wenn sie nicht oft durch jahrzehntelange Vernachlässigung und Missachtung als Sozial-Ghettos ruiniert worden wären.

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