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Jüdisches Museum Berlin : Eine unverzeihliche historische Naivität

Die Messiasfrau zwischen Eisenbahnschienen: Yael Bartanas Filmerzählung „Malka Germania“ ist das Dokument eines künstlerischen Scheiterns. Bild: Yael Bartana

Germania steigt aus dem Wannsee: Das Jüdische Museum Berlin zeigt eine Ausstellung der deutsch-israelischen Künstlerin Yael Bartana. Die Video-Projektion ist mehr als eine ästhetische Provokation.

          4 Min.

          Die israelische Künstlerin Yael Bartana wurde vor zehn Jahren durch die dreiteilige Video-Arbeit „And Europe will be stunned“ bekannt, mit der sie bei der Biennale von Venedig den polnischen Pavillon bespielte. In den drei Videos zeigte sie die Arbeit einer erfundenen Initiative, die drei Millionen Juden zur Einwanderung nach Polen bewegen will, und den Trauerzug ihres ermordeten Gründers. Andere Arbeiten Bartanas zeigen israelische Jugendliche, die für die Räumung einer illegalen Siedlung trainieren, Vorbereitungen für das Purim-Fest in orthodoxen Stadtvierteln von Jerusalem, ein rituelles Begräbnis von Schusswaffen auf einem Friedhof in Philadelphia und nachgestellte Fotos aus der Frühzeit der Kibbuz-Bewegung in Palästina. In einer anderen Fotoserie inszeniert sich Bartana mit Bart und Anzug als Theodor Herzl. Ein Gutteil ihrer Projekte balanciert auf der Grenze zwischen Realität und Fiktion, Wahrheit und Fake.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Die Werkschau, die das Jüdische Museum Berlin der Künstlerin gewidmet hat, ist Bartanas erste Einzelausstellung in einem deutschen Museum. Im Mittelpunkt steht der dreiviertelstündige Videofilm „Malka Germania“, den Yael Bartana als Auftragsarbeit für das Jüdische Museum gedreht hat. Der Film läuft als Simultanprojektion aus drei Kanälen im größten Saal der Wechselausstellungsfläche im ersten Stock des Museumsaltbaus in der Lindenstraße. Am Eingang des Saals hängt eine Neonleuchtschrift mit dem Titel der Ausstellung: „Redemption Now“. Der Parcours ist so eingerichtet, dass man an der Projektion vorbeigehen muss, wenn man die Säle verlassen will. Die Besucher können dem Film nicht entkommen.

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