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Moskau als Kunstmetropole : Ein Kraftwerk für die Kunst

Nach dreizehn Jahren eröffnet: das neue GES-2 am Ufer der Moskwa, umgebaut von dem Architekten Renzo Piano. Bild: Gleb Leonov

In Moskau hat ein Kulturzentrum eröffnet, das ein Milliardär finanziert und Putin gelobt hat. Hilft es, Russlands Künstlern mehr Freiraum zu schaffen?

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          Das Erste, was in Moskaus neuem, am Samstag eröffneten Kulturzentrum GES-2 auffällt, ist Raum. Im früheren Städtischen Elektrizitätswerk – dafür steht die Abkürzung – im Herzen der russischen Hauptstadt ist nach dem Umbau durch den italienischen Architekten Renzo Piano viel Platz für Ausstellungen, Workshops, Kino und Theater. Licht fällt durch große Fenster und das Dach, das Solarzellen zieren. Vier grellblaue, früheren Schornsteinen nachempfundene Roh­re saugen aus siebzig Meter Höhe Frischluft an, durchziehen das Innere des Gebäudes, bleiben dort fast die einzigen Farbtupfer: Weiß und Grautöne lassen die Ideen der Künstler und Kuratoren strahlen, die sich hier verwirklichen dürfen, im Dialog, so das Konzept, mit den Besuchern. Dem dient die Architektur; von Piazza spricht Renzo Piano und meint öffentlichen Raum. Der Eintritt ins GES-2 ist frei, pandemiebedingt müssen sich Besucher nur registrieren und mit QR-Codes als geimpft, genesen oder negativ getestet legitimieren.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Wer die grandiose Halle durchlaufen hat, tritt durch Glastüren in einen fußballfeldgroßen Hof. Hunderte Birken sind in die aufgeschütteten Hänge an seinen Rändern gepflanzt; darunter erstreckt sich ein unterirdisches Parkhaus. Den Hof überragt das als Haus an der Uferstraße bekannte Wohnhaus, das Stalin Anfang der Dreißigerjahre für seine Elite bauen ließ. Das 1907 in Betrieb genommene Kraftwerk versorgte diese erste Adresse der Sowjetunion, deren Bewohner zu einem Gutteil erschossen wurden oder in Straflagern verschwanden. So ist der historische Kontext zwar etwas düster; dafür feiert das GES-2 mit elegantem, kühlen Reiz Industriegeschichte, offenbart sein Erbe mit Stahlachsen, einer Krankabine, einer Wasserpumpe.

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