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Impressionisten im Museum Folkwang : Und sie hängen wirklich in Essen?

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Im Folkwang Museum erzählen Meisterwerke des Impressionismus und der Fotografie aus den wichtigsten Museen der Welt von einer Verwandlung: Als Paris zum Zentrum der Moderne wurde.

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          Der Impressionismus entstand auf der Großbaustelle Paris. Gleichzeitig mit der „nouvelle peinture“ wuchs „le nouveaux Paris“ heran. Durch die 1860 eingemeindeten neuen Arrondissements hatte sich die Stadt auf fast das Doppelte vergrößert: Neu-Paris wurde Groß-Paris. Kaiser Napoleon III hatte es sich so erträumt, inspiriert von der geschäftigen Weltstadt London. Sein Präfekt Haussmann erfüllte ihm den Traum und errichtete ein „londonisiertes“ Paris aus Stein und Stahl. Erst dadurch wurde Paris zur heimlichen Hauptstadt Europas, zur Stadt der Bahnhöfe und Boulevards, der Caféhäuser und Vergnügungstempel, kurz: zum Paris von heute.

          Macht es Sinn, diese beiden Pariser Kulturrevolutionen, die der Malerei und die der urbanen Lebensformen, zusammen in einer Ausstellung abzuhandeln? Das Essener Museum Folkwang, durch Chipperfields eleganten Anbau weiträumig geworden, hat sich die anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Den Anlass bot die Ernennung des Ruhrgebiets zur europäischen Kulturhauptstadt 2010. „Bilder einer Metropole: Die Impressionisten in Paris“ ist in der Tat ein europäisches Ereignis. Dafür sorgten vor allem die beiden Pariser Kuratorinnen: Françoise Cachin, einst Gründungsdirektorin des Musée d'Orsay, und Françoise Reynaud, Fotoexpertin des Musée Carnavalet. Dem wissenschaftlichen Renommee der beiden dürfte es zu verdanken sein, dass nicht nur die Pariser, sondern auch amerikanische Museen wie das Getty, das Art Institute Chicago oder die National Gallery Washington sich von Meisterwerken getrennt haben, von denen man kaum glauben mag, dass sie in Essen tatsächlich an der Wand hängen.

          Superlative aus dem Impressionismus

          An erster Stelle stehen drei weltberühmte Bilder: Manets „Eisenbahn“ aus Washington, Renoirs „Tanz im Moulin de la Galette“ aus dem Musée d'Orsay und aus Chicago Caillebottes „Pariser Straße im Regen“. Es sind drei Momentaufnahmen aus dem Pariser Leben, stattlich der Manet, in epischem Breitformat Renoir und Caillebotte. Entstanden sind sie in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, dem impressionistischen Jahrzehnt schlechthin.

          Renoirs Szene mit den tanzenden, wie in sich selbst versunkenen Paaren wurde zum Schlüsselbild des Jahrhunderts: der frohe Lebenstanz der kleinen Leute, eine Vision des Paradieses im Zeitalter der sozialen Utopien. „Le Bal au Moulin de la Galette“ ist schon lange ein Publikumsliebling, während Caillebottes Passanten mit den großen Regenschirmen erst durch die Retrospektive 1995 zum Kultbild geworden sind. Caillebotte galt bis dato als Künstler zweiten Rangs. Bereitwillig lässt sich die ans Kino gewöhnte Gegenwart von Caillebottes filmisch auf uns zu fahrenden Perspektiven und von den regennassen, fotografisch glitzernden Pflastersteinen beeindrucken.

          „Londonisierung“ von Paris

          Manets „Eisenbahn“ zeigt nur die Dampfwolke einer Lokomotive, und auch die durch einen Gitterzaun hindurch, was wiederum die Hauptfigur, ein junges Kindermädchen, gar nicht wahrzunehmen scheint, so teilnahmslos blickt sie von ihrer Lektüre auf und schaut ins Leere. Es ist das Porträt des neuen großstädtischen Menschentyps. Manet hat ihn für die Malerei entdeckt, nach dem Vorbild des ausdruckslosen englischen Dandy. Aber er demokratisiert den Dandy, er entdeckt ihn in jedem Dienstmädchen - das ist Manets Beitrag zur „Londonisierung“ von Paris.

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