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Illustration : Das ist Christoph Niemanns Welt

„New York gehörte mir!“

Doch so glatt, wie es sich in dieser Beschreibung ausnimmt, verlief der Weg von Niemann nach Amerika auch wieder nicht. Eine Arbeitserlaubnis als Grafiker bekam er nicht, erst ein Journalistenvisum ermöglichte ihm 1997 den dauerhaften Umzug. „Ich hatte Geld gespart und dachte mir, ein Jahr halte ich durch, egal was passiert. Dabei hatte ich grandios unterschätzt, was das Leben in New York kostet. Es lief beruflich für mich wesentlich besser als erwartet, aber das war auch bitter nötig.“

Was ihn bis heute stolz macht, ist der damalige Entschluss, auf eigene Faust nach New York zu gehen. „Ich hatte keinen Onkel dort, keinen Boss, der mich dahin beordert hätte. New York gehörte mir!“ Als Freiberufler von Beginn an musste er sich alles lebenspraktische Wissen um die neue Welt selbst aneignen. „Ich habe in den elf Jahren, die ich in Amerika gewohnt habe, immer wieder ganze Nächte im Internet verbracht, um mich in Immigrations- oder Steuerfragen kundig zu machen. Mittlerweile könnte ich auf diesen Gebieten als Anwalt tätig werden.“

In Vorwärtsbewegung bleiben

Ein Wechsel der Staatsbürgerschaft wäre für ihn nie in Frage gekommen. „Wenn ich die deutsche aber hätte behalten können, dann gerne die doppelte. So, wie sie meine Söhne heute haben. In einigen Gegenden der Vereinigten Staaten fühle ich mich mittlerweile mehr daheim als in Deutschland. Aber das ist eh eine Frage des konkreten Ortes. Brooklyn und Prenzlauer Berg haben mehr gemeinsam als Brooklyn und Wilmersdorf. Und wohl auch mehr als Wilmersdorf und Prenzlauer Berg.“ Nur die Arbeitshaltung eben nicht.

Noch einmal geht der Blick hinüber zu den Sonnenbadenden unter den blühenden Bäumen im Volkspark. „Wenn man es sich einmal gemütlich gemacht hat“, sagt Niemann, „geht man nicht mehr nach New York. Als ich ging, war ich siebenundzwanzig Jahre alt, und ich glaube, mit neunundzwanzig hätte ich es schon nicht mehr gemacht.“ Da hätte man sich eingerichtet, sich vielleicht auch privat gebunden. Seine Frau, Lisa Zeitz, lernte Niemann aber erst in New York kennen, wo die Deutsche für eine Galerie arbeitete. „Auch das war gut, dass wir uns in New York getroffen haben. Es war also unser jeweils individueller Entschluss gewesen, dort zu leben, keiner war nur aus Rücksicht auf den anderen mitgegangen. Und als wir nach Berlin umgezogen sind, war auch das kein Rückzug, etwa der Kinder wegen oder weil es einer von uns nicht mehr in Amerika ausgehalten hätte. Wichtig ist, dass man in der Vorwärtsbewegung bleibt.“

Vorwärtsbewegung - das ist ein zentraler Begriff für Christoph Niemann. Er war als Illustrator schon immer interessiert an den neuesten technischen Möglichkeiten, jenen Veränderungen seiner Arbeitswelt, die ihm heute erlauben, das Leben im Niemannsland zu führen. Obwohl Heinz Edelmann selbst mit Computern nichts anfangen konnte, förderte er die Beschäftigung seines Studenten mit den neuen Geräten, weil er darin dieselbe Detailversessenheit erkannte, die ihn selbst auszeichnete. Seit 1992 arbeitete Niemann mit dem Pixar-Rechner, einem jener Grafikcomputer der gleichnamigen Firma, die von Steve Jobs mitbegründet wurde und heute nur noch als Trickfilmstudio bekannt ist. „Die waren noch so langsam, dass man es heute gar nicht mehr glauben mag. Meine erste Festplatte hatte nur zehn Megabyte. Aber gerade das hat viel gebracht, denn man musste sich überlegen, wie man damit effizient arbeitet. Das ist wie bei Druckern, die noch den Bleisatz erlernt haben. Man weiß einfach besser, was man tut.“

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