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Illustration : Das ist Christoph Niemanns Welt

Im Regal stehen ein paar Belegexemplare von Büchern und Heften, die Niemann illustriert hat, darunter das jüngste Titelbild für den „New Yorker“ (Niemann ist der einzige Deutsche in der mehr als achtzigjährigen Geschichte des legendären Magazins, der dort regelmäßig als cover artist vertreten ist) und seine drei Bilderbücher für Kinder: „Der kleine Drache“, „The Police Cloud“ und „So funktioniert das“. Der letzte Titel ist programmatisch für den Einundvierzigjährigen. Wer wissen will, wie man heute ein Star auf diesem Feld werden kann, der muss zu Christoph Niemann gehen.

Diesen Star aber kennen in Deutschland immer noch wenige - ganz im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten. Dabei ist hier 1998, ein Jahr nachdem Niemann nach Amerika gegangen war, sein erstes Buch erschienen: „Das gute Porträt“, eine Sammlung von winzigen Illustrationen, die in künstlich grob gepixeltem Zeichenstil bekannte Namen mit ebenso bekannten Symbolen kombinierten. Zum Beispiel die drei Affen, von denen jeweils einer sich Ohren, Nase und Mund zuhält. Unter ihren Bildchen stehen die Bezeichnungen Beethoven, Stevie Wonder und The Marathon Man. Der Witz besteht noch mehr als in der Zuordnung in der Reihenfolge. Denn dass auf den berühmtesten Ertaubten und den berühmtesten Blinden nicht ein berühmter Stummer folgt, sondern eine Filmfigur, die von einem Zahnarzt gefoltert wird, das zeigt den kulturellen Anspielungsreichtum, den Christoph Niemanns Zeichnungen bieten. Und die Herausforderung, die sie darstellen.

Mitten im Gespräch ruft die Arbeit

“Das gute Porträt“ erschien seinerzeit im Maro Verlag und war Teil der Reihe „Die tollen Bücher“, die Armin Abmeier, der wichtigste deutsche Illustrationsexperte, herausgab. Mittlerweile verlegt er bei der Büchergilde Gutenberg „Die tollen Hefte“, und dort hat Christoph Niemann 2008, im Jahr seiner Rückkehr aus Amerika, T. C. Boyles Erzählung „Windsbraut“ illustriert - wieder im künstlich verpixelten Stil, diesmal noch gröber. Dafür erhielt er von der Stiftung Buchkunst seinen ersten und bislang einzigen deutschen Preis: als eines der schönsten Bücher des Jahres. In den Vereinigten Staaten ist die Flut der Auszeichnungen dagegen kaum noch zu übersehen - bis hin zur Aufnahme in die Hall of Fame des Art Directors Club vor zwei Jahren.

Deshalb erstreckt sich Niemannsland von Berlin nach New York. Auf dem Arbeitstisch im Atelier stehen neben den Bildschirmen zwei Telefone. Das linke wird mit Niemanns amerikanischer Nummer erreicht, das rechte mit der deutschen. Ein Relikt aus jener Zeit, als Niemann aus New York nach Berlin zog. Seinen amerikanischen Kunden hat er es damals nicht gesagt, denn durch Telefon und Internet ist er in Deutschland ebenso gut zu erreichen; er muss nur seinen Arbeitsrhythmus auf die Zeitverschiebung einstellen. Was ihm nicht schwerfällt: „Wenn man in Amerika meine Vorschläge für aktuelle Illustrationen erwartet, ist es dort noch Morgen, aber ich hatte schon einen ganzen Tag Zeit zum Überlegen und Ausprobieren.“ Was er nicht sagt: Gäbe es etwas an seinen Vorschlägen zu überarbeiten, müsste er das in der Nacht tun, um pünktlich zu sein. Aber meist gibt es lediglich Details zu regeln, die wenig Mühe machen. „Das ist bei Kunden von der Ostküste ohnehin kein Problem. Nur bei denen von der Westküste ist der Zeitunterschied zu groß.“

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