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Hannes Hintermeier (hhm)

Holzbau im Kloster Ettal : „Temporär“ ist ein dehnbarer Begriff

Dreizehneinhalb Meter hoch, siebzehn Meter Durchmesser: Der Pavillon im Klostergarten von Ettal hatte nur bis 2019 eine Genehmigung. Bild: Picture Alliance

Vor drei Jahren hätte er abgebaut werden müssen, der Pavillon der Landesausstellung von 2018. Doch die Benediktiner von Kloster Ettal wissen nicht, wohin damit.

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          Damals war extra der Wasi da, stilsicher in Hirschleder geschlagen, bester Laune und wie stets zupackend und nach vorne schauend. Zum ersten Waldbotschafter hatte ihn die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ernannt, die Bayerischen Staatsforsten sekundierten sichtlich zufrieden. Der ehemalige Skirennfahrer Markus Wasmeier ist im bürgerlichen Lager, was der Märchenkönig Ludwig II. im monarchischen war – eine Legende. Wenn sich so einer wie der Wasi als Galionsfigur für Holzarchitektur einspannen lässt, dann muss da was dran sein. Denn er betreibt schließlich ein Dorf mit historischen Bauernhöfen als Freilichtmuseum, er kennt sich also aus.

          Wenn so einer von der „Filigranität“ eines Baus spricht, wird auch ein mehr als dreizehn Meter hoher und siebzehn Meter breiter Holzbau plötzlich ganz leicht und schwebend. So jedenfalls der Eindruck mancher Pressevertreter, die im Klostergarten von Ettal den Pavillon zu sehen bekamen, der im Inneren mit Multimediaprojektionen des „Kinis“ Visionen ins Bild setzte. Hundertzwanzigtausend Besucher, die zur Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum. Mythos Bayern“ kamen, sind hier durchgezogen. Dann hatte der „temporäre“ Bau seine Schuldigkeit getan.

          Was heißt schon „temporär“?

          Aber was heißt schon „temporär“, das ist eben ein dehnbarer Begriff. Wie Baukosten. Der Pavillon mit seinem ovalen Pultdach kostete das Land weniger als sechshunderttausend Euro, aus heutiger Sicht ein Schnäppchen. Das derzeit beliebteste bayerische Temporärbauwerk, die Isarphilharmonie HP8 in München, hat die Landeshauptstadt, die sich darüber ein Loch in den Bauch freut, nur dreiundvierzig Millionen Euro gekostet. Während das nichttemporäre und deswegen vom Ministerpräsidenten in die Planungsdenkpause gezwungene Konzerthaus den Freistaat mehr als das Zehnfache kosten würde.

          Zum Glück hat die „Süddeutsche Zeitung“ soeben darauf hingewiesen, dass Wegschauen keine Lösung ist, dass der Schleier des Unwissens, der über Kloster Ettal liegt, zerrissen werden muss. Denn die benediktinischen Bauherren haben den Pavillon im Schutz der Pandemie einfach im Klostergarten stehen lassen, obwohl die Genehmigung des zuständigen Landratsamtes in Garmisch-Partenkirchen schon vor drei Jahren erloschen ist. Was dem Obersten Rechnungshof jetzt sauer aufgestoßen ist.

          Die Mönche haben, weiß Gott, schwere Zeiten hinter sich. Und noch keine zündende Idee, was mit dem Holztrumm anzustellen sei. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und ihr Waldbotschafter – Schweigen im Walde. Dem Vernehmen nach sind Lagerhallen im Augenblick stark nachgefragte Immobilien. Auch wenn das Ding zwanzig Ecken hat und vielleicht für Container und Paletten nicht ganz optimal ist, hat doch vielleicht jemand eine Idee für eine Anschlussverwendung? Die Abtei Ettal wartet auf Eingebungen. Und auf Selbstabholer.

          Hannes Hintermeier
          Feuilleton-Korrespondent für Bayern und Österreich.

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