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Georges Braque in Hamburg : Visualisierte Rhythmen

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Frühe Versöhnung, späte Erkenntnis: Das Bucerius Kunst Forum Hamburg zeigt Georges Braque von seinen unbekannten Seiten und zeigt seine Verbindung zu Deutschland auf.

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          Georges Braque ist in Deutschland ein bekannter Unbekannter. Er ist als Freund Picassos und Mitbegründer des Kubismus in Erinnerung, aber mit seinem Werk verbinden auch viele Kunstfreunde nur noch vage Vorstellungen. Dass die letzte große Braque-Ausstellung in Deutschland mehr als dreißig Jahre zurückliegt, passt in dieses Bild. Jetzt kann man Braque, der in seinem Heimatland Frankreich zu den Helden der klassischen Moderne zählt, auch bei uns wiederentdecken. Unter dem Titel „Tanz der Formen“ präsentiert das Bucerius Kunst Forum achtzig hochklassige Gemälde und Zeichnungen vom fauvistischen Frühwerk über den Aufbruch in den Kubismus bis zu den elegischen Landschaften, die Braque in den Jahren vor seinem Tod 1963 malte.

          Am Anfang der chronologisch aufgebauten Schau steht eine Überraschung. Beim Anblick der flächigen, in leuchtenden Farben gemalten Landschaftsbilder meint der Besucher einen Moment lang, in eine Matisse-Ausstellung geraten zu sein. Dass Braque etliche Werke aus dieser kurzen Schaffensphase der Jahre 1906 und 1907 zerstört hat, kann man angesichts des Farbenzaubers, den sie entfalten, nur bedauern.

          Das besondere Verhältnis Braques zu Deutschland

          Es sind viel eher die braunen und grauen Töne der folgenden, kubistischen Phase bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs, die man mit dem „typischen“ Braque verbindet. Die künstlerische Pionierleistung, die Braque in diesen Jahren vollbrachte, lässt sich an den Exponaten sehr schön nachvollziehen: Sie zeigen die allmähliche Verabschiedung der Zentralperspektive und die Geometrisierung landschaftlicher Formen bis zu den Sujets von Musikern und Instrumenten, die Braque fragmentiert und als Facetten aus unterschiedlichen, gegeneinander verschobenen Blickwinkeln neu kombiniert. Es sind diese Bilder – das „Stillleben mit Geige“ oder der „Mann mit Gitarre“ – die bis in die siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts hinein im bildungsbürgerlichen Publikum als Repräsentanten einer gemäßigten Moderne zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion beliebt waren. In der Ausstellung, jenseits des Kunstpostkartenformats, wird ihre entscheidende Qualität wieder augenfällig: Es ist die enge, über die bloße Motivik hinausgehende Verknüpfung von Bildlichkeit und Musikalität, eine Visualisierung von Rhythmus durch die gestaffelte Anordnung aufgesplitterter Formen und Körper.

          Dass die Energie, die hinter dieser Bildsprache steckt, nicht auf die kubistische Phase beschränkt blieb, zeigt der „Billardtisch“ von 1944, ein Glanzlicht der Ausstellung. Die Draufsicht auf einen schräg ins Bild gekanteten, zerbrechenden Billardtisch, kombiniert mit den speerförmigen Billardstöcken, vermittelt eine überraschend aggressive Dynamik. Überraschungen anderer Art bieten die „metamorphen“ Werke der dreißiger Jahre, deren hybride, zwischen Objekt und Lebewesen changierende Formen auf den Surrealismus verweisen, der als Bewegung gerade seinen Zenit überschritten hatte. Und immer wieder zeigt sich Braque in seinen Bildern als der gelernte Dekorationsmaler, der Tapetenmuster und Marmorierungen effektvoll einzusetzen weiß. Von einem wieder ganz anderen, luftig-zarten Reiz sind die Bleistiftzeichnungen und Gouachen, die Entwürfe für das Bühnenbild und die Kostüme eines Pariser Balletts zeigen.

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