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Debatte um Raubkunst : So schnell restituieren die Preußen nicht

  • -Aktualisiert am

Bronzen aus Benin im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg Bild: dpa

Streitfall Ethnologie: In Jahrzehnten haben die Museen nur eine Handvoll Objekte an die Herkunftsländer zurückgegeben. Wirklich zu wenige?

          5 Min.

          In der Auseinandersetzung um die zukünftige Gestalt des Humboldt-Forums hat die Raubkunstdebatte alle anderen Themen in den Hintergrund gedrängt. Neu ist sie allerdings nicht. Ihre Anfänge reichen bis in die letzte Phase der Dekolonisierung Afrikas zurück. Schon 1973 verabschiedete die UN-Vollversammlung eine Resolution, in der sie sich für die sofortige Rückführung der unter der Kolonialherrschaft geraubten Kunstschätze aussprach. Sie ging auf eine Initiative Mobutus zurück, der 1965 nach der Ermordung Lumumbas in der Demokratischen Republik Kongo durch einen Militärputsch an die Macht gekommen war. Als er sie über dreißig Jahre später wieder abgeben musste, war das Land unter seinem Regime zu einem der ärmsten der Erde geworden. Die unabhängig gewordenen Staaten der „Dritten Welt“ hatten damals mit weit wichtigeren Problemen zu kämpfen, die ihnen die alten Kolonialherren hinterlassen hatten. Restitutionsforderungen verdeckten sie nur.

          Für die Repatriierung geraubter Kunstgegenstände haben sich relativ früh auch deutsche Ethnologen eingesetzt. Einer von ihnen war der vormalige Direktor des Bremer Überseemuseums Herbert Ganslmayr. 1984 veröffentlichte er zusammen mit dem Fernsehjournalisten Gert von Paczensky ein erstes kritisches Resümee. Es trug den Titel „Nofretete will nach Hause“. Das Berliner Ägyptische Museum hat ihr diesen Wunsch bekanntlich bis heute nicht erfüllt. Auch die Zahl der aus den Völkerkundemuseen des deutschsprachigen Raums zurückgeführten Objekte ist gering. Das zeigt ein am Frankfurter Exzellenzcluster „Herausbildung normativer Ordnungen“ angesiedeltes Forschungsvorhaben, für das insgesamt 22 Sammlungen kontaktiert und Interviews mit Museumsleitern und Kuratoren geführt wurden.

          Die Objekte sind politisches Kapital

          Aus den Umfragen geht hervor, dass die Museumsakten zwischen 1970 bis 2015 vierzehn Repatriierungen von menschlichen Gebeinen verzeichnen, denen allerdings nur fünf Rückgaben von Kulturgütern gegenüberstehen. Der größte Posten ist eine Sammlung von etwa dreißig Kultobjekten aus Kongo, die in den frühen achtziger Jahren vom „Haus Völker und Kulturen“ in St. Augustin zurückgegeben wurden. Der Leiter des von der Steyler Mission getragenen Museums konnte sich zu einem solchen Schritt leichter entschließen als seine Kollegen aus staatlichen und städtischen Sammlungen, die dazu zahlreiche bürokratische Hindernisse hätten überwinden müssen – von einer genauen Überprüfung der komplizierten juristischen Sachlage bis hin zur Genehmigung der vorgesetzten Behörden.

          Museumskuratoren sagt man zu Recht eine enge Bindung an die ihnen anvertrauten Gegenstände nach. Dennoch stehen sie Restitutionen keineswegs so reserviert gegenüber, wie oft behauptet wird. Selbstverständlich kommen sie nicht der Forderung jeder Privatperson nach, die in Berufung auf weit zurückliegende Abstammungslinien den Anspruch auf ein besonders wertvolles Stück erhebt. Anders sieht es aber bei Sprechern indigener Gruppen aus, die eindeutig legitimiert sind. Handelt es sich um die in Völker- und Naturkundemuseen noch zu Hunderten lagernden Schädel und Skelette, sind die Museen sogar meist froh darüber, die unseligen Erinnerungsstücke an das rassistische Erbe der eigenen Wissenschaft loszuwerden.

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