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Fotografie im Museum Ludwig : Das zweite Gesicht des Werner Mantz

Sieben fette und sieben magere Jahre beeinflussten sein Geschäft: Das Museum Ludwig in Köln entdeckt den Porträtisten Mantz und stellt ihn neben den bekannten Architekturfotografen.

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          Ich möchte sagen: nicht direkt“, hat Werner Mantz 1977, in einem Interview mit Wilhelm Schürmann, auf die Frage geantwortet, ob er auch persönlich an der Architektur interessiert sei. Die Auskunft muss überraschen, ist Mantz doch ein Fotograf, der mit Architekturaufnahmen identifiziert wird: Mit ihnen hatte er sich 1927 durchsetzen können, mit ihnen wurde er spät, 1977 auf der Documenta 6, wiederentdeckt, im Jahr darauf im Rheinischen Landesmuseum in Bonn und 1982 im Museum Ludwig in Köln, das rund fünfhundert Arbeiten von ihm ankaufte, ausgestellt.

          Andreas Rossmann
          Freier Autor im Feuilleton.

          Die Fotos, die er zuerst für den Architekten Wilhelm Riphahn und dessen Partner Caspar Maria Grod angefertigt hat, sind kongeniale Interpretationen, deren Komposition sich aus der geometrischen Formensprache der Gebäude herleitet. Die von den beiden entworfenen Villen, Wohnblocks und Häuserzeilen, vor allem aber ihre modernen Siedlungen in Buchforst, Bickendorf oder Neurath wurden in seinen menschenleeren Ablichtungen berühmt, ja, mit seinen Augen gesehen: Starke Licht-Schatten-Effekte, rechte Winkel und diagonale Fluchtlinien geben ihnen im Zusammenspiel mit den Wolkenformationen eine klare, nüchterne Strenge.

          Er galt als „schwierig“, weil er Zeit investierte

          Schnell wurden weitere Architekten wie Peter Franz Nöcker oder Paul Amadeus Pott auf die Begabung von Werner Mantz und die Möglichkeiten des Mediums aufmerksam, Zeitschriften wie „Bauwelt“, „Die Form“ oder „Bauwarte“ rissen sich um seine Fotografien, auch die Stadt Köln sicherte sich seine Dienste. Für die Internationale Presse-Ausstellung „Pressa“, mit der Oberbürgermeister Konrad Adenauer 1928 die Entwicklung der Stadt zum Messe- und Medienstandort vorantrieb, hat Mantz – neben dem Haus der „Kölnischen Zeitung“ von Riphahn und Grod – auch den Pavillon des Rudolf-Mosse-Verlags von Erich Mendelsohn aufgenommen: temporäre Bauten, deren skulpturale Formen Aufbruch und dynamische Entwicklung signalisierten.

          Haus in der Lentstraße, Köln, 1928: Sieben sehr fette Jahre bescherte ihm die Architekturfotografie. Bilderstrecke
          Fotografie von Werner Mantz : Das zweite Gesicht

          Wilhelm Riphahn, der wichtigste Vertreter des Neuen Bauens in Köln, bis 1933 und nach 1945 vielbeschäftigt, war es, der Mantz 1926 zur Architektur brachte: Dessen Aufnahmen eines Friseursalons von seinem Reißbrett hatten ihn so sehr beeindruckt, dass er den jungen Fotografen engagierte. 1901 in Köln geboren, hatte Mantz 1920/21 die Bayerische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie in München besucht und sich danach mit einem Atelier am Hohenstaufenring selbständig gemacht. Auf Porträts der lokalen Prominenz hatte er sich anfangs spezialisiert, der Politiker Peter Josef Schaeven, der Schriftsteller Otto Brües oder der Maler Anton Räderscheidt ließen sich von ihm ablichten. Doch das Geschäft lief schlecht; Mantz galt als schwierig, auch weil er viel Zeit investierte und, statt Blitzlicht einzusetzen, die „richtige“ Wetterkonstellation und Lichtstimmung abwartete.

          An der arischen Abstammung fehlte ein Teil

          Die Architektur war geduldiger und bescherte ihm „sieben fette Jahre, sogar sehr fette“, die erst der Nationalsozialismus beendete und die er in Maastricht, wo er 1932 einen „Filialbetrieb“ einrichtete, nicht fortsetzen konnte. Schon vorher hatte sich die Auftragslage durch Wirtschaftskrise und politische Instabilität zu verschlechtern begonnen, sechs Jahre pendelte er zwischen Rhein und Maas, dann siedelte er ganz in die Niederlande über: „Langsam, aber sicher wurde ich zum Verfolgten“, berichtete er später, „denn an der 100 % ,arischen‘ Abstammung fehlte ein Teil.“ „Lassen Sie die Sonne für sich arbeiten! Geben Sie den Wolken einen Auftrag! Sonne und Wolken machen oft mehr aus einem Bild als ich“, schreibt Mantz 1929 in einer Anzeige für sein Atelier.

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