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Flüchtlinge und Künstler : Die Kunst der guten Absichten

  • -Aktualisiert am

Ai Weiwei verkleidet die Säulen des Berliner Konzerthauses, Candice Breitz lässt Berichte von Flüchtlingen nachsprechen und Olafur Eliasson baut mit ihnen gemeinsam Lampen. Wie gehen Künstler dabei mit dem Thema um? Bild: dpa

Auch Künstler beschäftigen sich mit der Flüchtlingskrise – jeder mit seinen Mitteln. Dabei laufen sie Gefahr, das Leid anderer zu instrumentalisieren.

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          Seit vergangenem Herbst kursiert unter Künstlern und Theatermachern eine Liste. Sie heißt „10 Dinge, die ihr beachten müsst, wenn ihr mit Flüchtlingen arbeiten wollt“ und stammt von der australischen Flüchtlings-, Asylbewerber- und Ex-Häftlings-Organisation Rise. Ein Auszug aus Punkt eins: „Wir sind keine Ressource für euer nächstes künstlerisches Projekt.“ Ein Auszug aus Punkt zwei: „Unser Kampf ist keine Chance, und unsere Körper sind keine Währung für den Aufbau eurer Künstlerkarriere.“

          Die Liste macht einiges deutlich. Erstens: Flüchtlinge warten nicht unbedingt auf Künstler, die für sie sprechen. Das können sie oft selbst besser, solange man sie lässt. Zweitens: Gute Absichten machen noch keine gute Kunst, ja, sie dienen oft noch nicht einmal guten Absichten. „Statt euch nur auf den ,anderen‘ zu konzentrieren“, lautet ein weiterer Rat, „unterzieht lieber euer eigenes Interesse kritischer, reflexiver Analyse.“ Drittens: Die Liste ist offenbar nötig.

          Nachdem Ai Weiwei die Säulen des Berliner Konzerthauses mit gebrauchten Schwimmwesten aus Lesbos verkleiden ließ und das Foto des ertrunkenen Jungen Ailan Kurdi nachgestellt hat, lässt er derzeit aus Schwimmwesten geknüpfte Seerosenskulpturen im Brunnen des Wiener Belvedere treiben. Olafur Eliasson lud ebenfalls in Wien im Ausstellungsraum der TBA21 Flüchtlinge und Bürger ein, gemeinsam Lampen zu bauen. Die Filmkünstlerin Candice Breitz zeigt in ihrer Überblicksschau im Kunsthaus Stuttgart Filme, in denen die Schauspieler Julianne Moore und Alec Baldwin Berichte von Flüchtlingen nachsprechen, die Breitz interviewt hat. Das Zentrum für politische Schönheit widmet sich seit mehr als zwei Jahren in spektakulären Aktionen dem Thema, zuletzt mit der Ankündigung, Geflüchtete würden sich freiwillig von Tigern fressen lassen, wenn die Bundesregierung nicht ein Gesetz so abändere, dass Flüchtlinge auch mit dem Flugzeug einreisen können.

          Prüfstein für die gesellschaftliche Rolle der Kunst

          Das sind nur die prominenteren Beispiele. Wer in Jurys für die Vergabe öffentlicher Mittel sitzt, sieht parallel zu den steigenden Anträgen auf Asyl auch Anträge auf Förderung von Kunstprojekten zum Thema Flucht zunehmen.

          Es ist mehr als verständlich, dass auch Künstler und Kuratoren etwas zu den Fragen beitragen wollen, an denen sich womöglich die Zukunft vieler Gesellschaften entscheidet. Nur stellt sich in jedem Einzelfall die Frage, was ein hilfreicher Beitrag ist. Wenn die Dringlichkeiten der Wirklichkeit in die Kunst einziehen, sieht diese, das zeigt sich an vielen Fällen, schnell alt aus. Oft handeln die großen Gesten weniger von Flüchtlingen als von der eigenen Betroffenheit – besonders anschaulich wird das in der monströsen Geste des Briten Jason deCaires Taylor, der in seinem Unterwassermuseum vor Lanzarote zu allem Überfluss auch die Betonskulptur eines Flüchtlingsboots versenkt hat. Das Fluchtthema wird zum Prüfstein für die gesellschaftliche Rolle der Kunst.

          Umstrittene Aktion des „Zentrum für politische Schönheit“ im Juni in Berlin.
          Umstrittene Aktion des „Zentrum für politische Schönheit“ im Juni in Berlin. : Bild: dpa

          Auch dieser Artikel kann freilich nicht für Flüchtlinge sprechen. Er kann nur für die Kunst sprechen. Beispielhaft erlaubt das eine Ausstellung auf der Mittelmeerinsel Samos, wo ein deutsch-griechisches Sammlerpaar aus München mit der Schwarz Foundation 2012 einen Kunstraum eröffnet hat, in einem renovierten Hotelbau aus den siebziger Jahren am antiken Hafen von Pythogarion. Hinter dem gleißend weißen Bau zeichnen sich die Berge der türkischen Küste ab, keine zwei Kilometer entfernt.

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