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Museum Küppersmühle Duisburg : Kehrtwende in den Ensemblegeist

Der Erweiterungsbau des Museums Küppersmühle (links) wird durch das hoch aufragende graue Silogebäude hindurch mit dem Altbau verbunden. Bild: Simon Menges

Überraschend dezent: Herzog & de Meuron haben für das Museum Küppersmühle am Duisburger Innenhafen einen Erweiterungsbau errichtet, der auf den ersten Blick so aussieht, als hätte er schon immer dort gestanden.

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          Diese Bauaufgabe kennen Herzog & de Meuron inzwischen ganz gut: Man nehme einen für gewerbliche Zwecke errichteten Riesenbacksteinbau in Uferlage und baue ihn für eine kulturelle Nutzung um. Die Tate Modern in London, die einem ehemaligen Kraftwerk an der Themse eingepflanzt und aufgepfropft wurde, markierte 1999 den internationalen Durchbruch für das Architektenbüro aus Basel. Und mit der 2016 fertiggestellten Elbphilharmonie, die auf einem einstigen Speicher im Hamburger Hafen wogt, krönten sie eine ganze Stadt und auch ihr eigenes Werk.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

          Zwischendurch hatten die beiden Pritzker-Preisträger am Duisburger Innenhafen ein weit weniger spektakuläres, in der Fachwelt aber sehr aufmerksam wahrgenommenes Projekt vollendet: den Umbau der gewaltigen, um 1908 errichteten Küppersmühle zu einem Museum für moderne Kunst, angestoßen vom ortsansässigen Sammler Hans Grothe. Während das Innere des dreiflügeligen Gebäudes für die neue Nutzung radikal umgebaut wurde, fielen die Eingriffe in die Fassade behutsamer aus: Etliche Fensteröffnungen wurden mit Backsteinen zugemauert, und es wurden einige schmale senkrechte Fensterstreifen eingeschnitten. Hinzu kam ein rot getünchter Anbau, der die fallende Satteldachlinie des Bestands aufgriff und das skulpturale Treppenhaus aus rot gefärbtem Beton aufnahm. Das Ganze war eine Demonstration von Dezenz.

          Die Sammlung Grothe ging im Jahr 2005 in die Hände von Sylvia und Ulrich Ströher über. Das öffentlichkeitsscheue Darmstädter Sammlerehepaar beschloss, dem Standort am Duisburger Innenhafen, der sich längst zu einem überregional beachteten Vorzeigeprojekt des Strukturwandels im Ruhrgebiet gemausert hatte, die Treue zu halten. Weil für die Präsentation der vereinigten Sammlungen mit ihren 1500 Werken vorwiegend deutscher Kunst aus der Zeit nach 1950 bis in die Gegenwart mehr Platz benötigt wurde, sollte ein Anbau für das Museum Küppersmühle her. Er ist jetzt fertig geworden und ist von Samstag an für das Publikum zugänglich – samt Neuhängung der Sammlung.

          Durch den düsteren Luftraum im Silobau führen Brücken, die die beiden Museumstrakte miteinander verbinden.
          Durch den düsteren Luftraum im Silobau führen Brücken, die die beiden Museumstrakte miteinander verbinden. : Bild: Simon Menges

          Die Architekten, für die Robert Hösl für das Projekt verantwortlich zeichnet, haben dort weitergemacht, wo sie 1999 aufgehört hatten: Der vierstöckige Erweiterungsbau, mit dem sich die Ausstellungsfläche um 2500 Quadratmeter annähernd verdoppelt, strahlt in Material, Volumen und Gestalt Ensemblegeist aus. Er ist seinerseits in drei unterschiedlich hohe Baukörper gegliedert und nahezu geschlossen in Klinker ausgeführt, unterbrochen wiederum nur von senkrechten geschosshohen Fensterschlitzen. Die Klinker wurden in einem aufwendigen Verfahren mittig gebrochen, was für ein besonders lebendiges Fassadenbild sorgt, ähnlich wie im Schaudepot, das Herzog & de Meuron für Vitra in Weil am Rhein errichtet haben. In die östliche, der Autobahn A 59 zugewandte Fassade wurde der Schriftzug „Küppersmühle“ eingefügt, er besteht aus etwa 1000 handgeschliffenen Klinkern.

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