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„Erik der Belgier“ : Ein Museum für den Kunsträuber

  • -Aktualisiert am

Einst war er der Schrecken spanischer Kirchen und Klöster. Heute betätigt sich der frühere Kunsträuber und Meisterfälscher „Erik der Belgier“ als Wohltäter und hilft der Polizei, gestohlene Bilder zu finden.

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          Seit Jahren raubt er nicht mehr. Mit seinem Fachwissen berät er die Polizei bei der Suche nach entwendeten Gemälden und Skulpturen - so unlängst im Fall der gestohlenen Kunstwerke im Hause Koplowitz. Erik der Belgier, einst Schrecken spanischer Kirchen, Klöster und Kathedralen, lebt seit über zwanzig Jahren in Málaga, an der Costa del Sol, von der die spanische Tageszeitung "El Mundo" Verbindungen zum geraubten "Schrei" von Edvard Munch vermeldet.

          Gegenüber einer katalanischen Zeitung äußerte Erik der Belgier, er halte diese Tat für eine Auftragsarbeit und glaube, das Bild sei im Besitz eines egozentrischen, verstörten Menschen, der am Anblick des gequälten Gesichtes von Munch Ruhe finde. Sollte das der Fall sein, käme das Bild vielleicht nie wieder ans Tageslicht.

          Er raubte in halb Europa

          Erik der Belgier unterstützt aber nicht nur die Polizei, sondern auch Museen, Sammler und Sachverständige. Seine Raubzüge führten ihn einst durch halb Europa. Vor allem aber in Spanien hatte er Mitte der siebziger Jahre leichtes Spiel. Der Klerus kümmerte sich seiner Meinung nach nicht genügend um die vielen Werke, die der kunstsinnige Dieb, indem er sie für anonym bleibende Sammler raubte, dem sicheren Verfall entriß. Andere Kostbarkeiten wurden weit unter Wert veräußert. Die Kirche habe so den Ausverkauf spanischer Kunst und Antiquitäten geradezu angeregt.

          Sein Hauptgeschäft machte der Belgier mit dem Weiterverkauf dieser günstig erstandenen Werke an Sammler und Museen auf der ganzen Welt. Im Lauf der Jahre häufte er - teils auf Raubzügen, teils im Handel mit Bischöfen - eine beachtliche Sammlung an, gab viele Werke später aber zurück. "Erik el belga", wie er in Spanien genannt wird, legt Wert darauf, daß er nie Gewalt angewendet habe. Das hätte gegen die Ethik eines Kunsträubers verstoßen.

          Mehr Phantasie als Fachwissen

          In Polizeikreisen heißt es allerdings, daß seine spätere Zusammenarbeit den großen Schaden, den er einst angerichtet habe, nur mäßig wiedergutmachen könne. Das Polizeimuseum in Avila besitzt ein vermeintliches Selbstporträt Eriks, das dieser während der Verbüßung einer Haftstrafe anfertigte. Er zeichne sich mehr durch seine Phantasie als durch sein Fachwissen aus, glaubt man dort zu wissen.

          Der in siebter Ehe mit einer spanischen Anwältin verheiratete Erik, der eigentlich René Alphonse van der Berghe heißt, wurde 1940 im belgischen Nuiville geboren. Als Meßdiener, Kunststudent und Antiquitätenhändler vertiefte er seine Liebe zur Kunst und wurde nicht nur einer der berüchtigsten Kunstdiebe, sondern auch ein geschickter Maler und Fälscher. Dieser Kunst widmete er sich besonders in den letzten Jahren.

          Als er im Frühjahr 2002 erfuhr, daß im Städtchen Cúllar, in der andalusischen Provinz Granada, das Madonnenbildnis aus der Kapelle geraubt worden war, das bei den Osterprozessionen durch die Straßen getragen wird, fertigte er nach einer Fotografie eine Kopie an und rettete auf diese Weise die Festlichkeiten. Das Städtchen dankte es ihm herzlich. Jetzt hat der ehemalige Dieb und Meisterfälscher der Stadt Cúllar achtzehn Gemälde gestiftet. Für die Repliken religiöser Themen und die freien Kreationen von der Hand Erik des Belgiers richtet die Stadt ihm ein Museum ein. Mit der Zeit soll die Sammlung auf fünfzig Werke erweitert werden.

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