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Offener Streit um Documenta : Kasseler Oberbürgermeister droht Bund mit Alleingang

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Besucher vor dem Kunstwerk „Return to Sender“" vom „"The Nest Collective“" im Staatspark Karlsaue auf der Documenta fifteen Bild: dpa

Mehr Einfluss Berlins bei der Documenta? Der Kasseler Oberbürgermeister spricht von einem „Ausdruck kaum zu überbietender Arroganz“. Unterdessen prüft die Staatsanwaltschaft den Anfangsverdacht strafbaren Verhaltens.

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          Nach dem Antisemitismus-Eklat ist ein offener Streit um künftige Verantwortlichkeiten bei der Documenta entbrannt. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Kunstausstellung, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), geht offen auf Konfrontationskurs mit dem Bund. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) will als Konsequenz aus den Vorkommnissen mehr Einfluss der Regierung. Sie droht, andernfalls den Geldhahn zuzudrehen.

          „Der Stadt Kassel ist es nicht nur durchaus finanziell möglich, sondern insbesondere vor dem Hintergrund der Bedeutung der Documenta für unsere Stadt und Stadtgesellschaft auch ideell möglich, die Verantwortung für diese herausragende Veranstaltung auch ohne Beteiligung aus der Bundeshauptstadt zu tragen“, entgegnete ihr nun Geselle (SPD) in einem Brief. Das Schreiben liegt der dpa vor.

          Roth hatte Änderungen in der Struktur gefordert. Im Kern will Berlin mehr Einfluss. Die Staatsministerin sieht den Rückzug des Bundes aus dem Aufsichtsrat 2018 bei Festhalten an der Bundesförderung als „schweren Fehler“. Das soll sich wieder ändern.

          Geselle zeigte sich „stark irritiert“ vom Verhalten Roths. Weder Stadt noch Documenta-Gesellschaft seien kontaktiert worden. Dies stehe „der notwendigen Seriosität und Ernsthaftigkeit“ entgegen.

          Er verwies darauf, dass die Bundeskulturstiftung ihr Vorschlagsrecht für zwei Sitze im Aufsichtsrat nicht ausübe. So wäre es möglich gewesen, Kontrollfunktionen wahrzunehmen. „Dies natürlich erst recht, nachdem Sie nach Ihrer Ernennung zur Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sich bereits Ende Januar 2022 zum Thema mögliche Antisemitismusvorwürfe und Documenta fifteen geäußert haben“, schrieb Geselle an Roth.

          „Ausdruck kaum zu überbietender Arroganz“

          Die Documenta benötige „aus ihrer DNA heraus“ keine „staatliche Zensur“, betonte Geselle. „Dies stünde unserer Verfassung entgegen.“ Sollte Roth bei ihrer Haltung bleiben „und nicht Interesse an einer sachlich konstruktiv geführten Debatte haben“, würden die städtischen Gremien die Förderung durch die Bundeskulturstiftung diskutieren.

          Rückendeckung bekommt Geselle von seinen SPD-Amtsvorgängern Hans Eichel, Wolfram Bremeier und Bertram Hilgen. In einer Erklärung mit Geselle lehnten sie Roths Pläne als „Angriff auf die Documenta“ ab. Der Wunsch nach mehr Einfluss des Bundes werde damit begründet, die vor allem lokale Verantwortlichkeit stehe im Missverhältnis zur Bedeutung der Documenta. „Diese Haltung ist Ausdruck kaum zu überbietender Arroganz und übersieht, dass sich die Documenta in ihrer über sechzigjährigen Geschichte in 'lokaler Verantwortlichkeit' zu dem entwickelt hat, was sie heute ist – und das ohne oder nur mit sehr bescheidener finanzieller Unterstützung durch den Bund.“

          Roth hält an strukturellen Änderungen fest. Es sollte im Interesse der Stadt sein, gemeinsam mit Land und Bund darüber nachzudenken, wie die Documenta so neu aufgestellt werden könne, „dass sich ein solches Desaster nicht wiederholt und die Documenta ihrer Bedeutung einer der weltweit wichtigsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst wieder gerecht werden kann“.

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