https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/documenta/documenta-diskutiert-ueber-antisemitismus-ruangrupa-hoert-nur-zu-18140386.html

Documenta-Streit : Eine Unverschämtheit, die keiner bemerkte

Ade Darmawan, Sprecher des Kuratorenkollektivs Ruangrupa, sagte nur, dass er lernen wolle Bild: dpa

Die Documenta diskutiert über den Antisemitismus, die Kuratoren von Ruangrupa verweigern die Aussage. Sie wollen dieses seltsame Deutschland erst noch studieren.

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          Dass dieses Deutschland aus der Sicht eines indonesischen Künstlerkollektivs ein seltsames und exotisches Land sei, eine Weltprovinz, deren kulturelle Ei­genarten erst nach langen und ausführlichen völkerkundlichen Studien einigermaßen verständlich würden: Das ist die Perspektivenverschiebung, an de­ren produktive Kraft offenbar all jene glaubten, die der Gruppe Ruangrupa die künstlerische Leitung der fünfzehnten Documenta anvertrauten.

          Claudius Seidl
          Redakteur im Feuilleton.

          Dass aber zu den provinziellen und von außen kaum verständlichen kulturellen Traditionen dieses Landes auch das Antisemitismus-Tabu, das Verbot der Volksverhetzung und die Unmöglichkeit, Juden als Schweine oder Blutsauger darzustellen, gehörten: Das ist das Missverständnis, das immer wieder artikuliert wird, seit zum ersten Mal die Vermutung geäußert wurde, dass die Kuratoren der Documenta etwas gegen den Staat Israel und die Juden haben könnten. Einen „diskursiven Reinigungsfuror“ hat die Schriftstellerin Eva Menasse in diesen Tagen all den deutschen „Anti-Antisemiten“ bescheinigt, all denen also, die den Leuten, die antisemitische Karikaturen aufhängen, bescheinigen, dass sie dann wohl Antisemiten sein müssten.

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