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Documenta-Skandal : Schande, Verrat, Schock

Ruangrupa, die Kuratoren der Documenta 15: Ajeng Nurul Aini, Farid Rakun, Iswanto Hartono, Mirwan Andan, Indra Ameng, Ade Darmawan, Daniella Fitria Praptono, Julia Sarisetiati, Reza Afisina. Bild: FAS

In einer Erklärung von Donnerstagabend entschuldigen sich die Documenta-Kuratoren von Ruangrupa für die antisemitischen Bilder eines von ihnen eingeladenen Kollektivs. Das jedoch hält den Skandal nach wie vor nur für ein interkulturelles Interpretationsproblem.

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          Knapp eine Woche nach dem Skandal um das Großbanner „People’s Justice“ mit antisemitischen Schmähmotiven auf dem Kasseler Friedrichsplatz hat das die Documenta 15 kuratierende Kollektiv Ruangrupa eine Erklärung abgegeben: „Wir haben alle darin versagt, in dem Werk die antisemitischen Figuren zu entdecken“, heißt es in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Stellungnahme. „Es ist unser Fehler. Wir entschuldigen uns für die Enttäuschung, die Schande, Frustration, Verrat und Schock, die wir bei den Betrachtern verursacht haben.“ Man wolle sich nun über die grausame Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus weiterbilden und sei schockiert, dass die Figuren es in das fragliche Werk geschafft hätten, das sich eigentlich auf die indonesische Geschichte beziehe. Die Künstler des für das Banner verantwortlichen Kollektivs Taring Padi wiederum äußerten in einem Interview im „Spiegel“ ihre Enttäuschung über das Krisenmanagement der Documenta-Leitung.

          Stefan Trinks
          Redakteur im Feuilleton.

          Man habe nicht gewusst, dass das Bild in Deutschland Gefühle verletzen würde. Es sei schon oft in Ausstellungen gezeigt worden: „Wenn wir gewusst hätten, wie die Reaktionen sind, hätten wir es nie aufgehängt“, sagten die Künstler. „Ich dachte, dass man als Künstler gerade in einem Land wie Deutschland, in dem Meinungsfreiheit herrscht, sich über mehr Grenzen hinwegsetzen darf“, verteidigte sich Sri Maryanto, jenes Mitglied des Kollektivs, das in München lebt und dort studiert hat. Die Gruppe hält die antisemitische Lesart des Bilds nur für ein interkulturelles Interpretationsproblem. Die Antisemitismusbeauftragten von Bund und Ländern fordern unterdessen Konsequenzen und eine klare Benennung der Verantwortlichen. „Die Feststellung der Verantwortlichkeiten im Umgang mit antisemitischer Bildsprache und anderen judenfeindlichen Inhalten ist dringend notwendig“, erklärte die Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus am Freitag. Es sei wichtig, die Versäumnisse und Fehler bei Planung, Vorbereitung und Durchführung der Documenta klarzustellen und Konsequenzen zu ziehen.

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