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F.A.S. exklusiv : Ihr habt mehr Zeit für das Museum der Moderne!

Alternativlos? Der aktuelle Entwurf des Büros Herzog & de Meuron für das Berliner Museum der Moderne Bild: Herzog & de Meuron

Wenn wir jetzt nicht bauen, verlieren wir die Sammler! So drohen die Verantwortlichen für das Berliner Museum der Moderne. Stimmt nicht, sagt die Sammlung Marx gegenüber der F.A.S. Was treibt die Politik zur Eile? Schaut sie nicht auf die Kosten?

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          Mal angenommen, Sie geben ihrem Kind fünf Euro, damit es sich ein schönes Spielzeugauto kaufen kann. Und dann kommt das Kind zurück und sagt: „Vielen Dank, aber ich brauche noch 35 Euro dazu, denn das schönste Auto kostet vierzig Euro.“ Und dann sagen Sie: „Das Kind hat aber nur fünf Euro und muss lernen, mit dem klarzukommen, was es hat.“

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          So kleinlich sind die Berliner Kulturpolitiker nicht: Für das neue Museum der Moderne am Berliner Kulturforum waren zweihundert Millionen Euro, eine üppige Summe, genehmigt. Jetzt ist schon vor Baubeginn klar, dass es 450 Millionen Euro werden. Vielleicht auch mehr.

          Bei der Pressekonferenz erklärten die Verantwortlichen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Lage so, dass man, als man von zweihundert Millionen sprach, ja noch gar keinen Entwurf hatte. Und jetzt hat man einen Entwurf, und der ist eben viel teurer!

          Keine Rede davon, dass man mit Steuergeldern eventuell auch sparsam umgehen sollte. Alle Vorschläge, sich noch mal zusammenzusetzen und zu überlegen, ob man auch für zweihundert Million ein gutes Museum bauen könnte, wurden abgeschmettert mit dem Verweis darauf, dass man jetzt mit dem Bauen beginnen müsse, weil sonst die Sammler ihre milliardenschweren Sammlungen aus Berlin abziehen könnten, denn das stehe so in den Verträgen. Der schwarze Peter wurde also aus dem Feld der Politik zu den Sammlern geschoben.

          Sammler Erich Marx 2015 in der Berliner Nationalgalerie
          Sammler Erich Marx 2015 in der Berliner Nationalgalerie : Bild: dpa

          Zu dieser Behauptung hat sich jetzt die Familie Marx gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ geäußert. In einem Statement schreiben Erich und Axel Marx, es sei „zutreffend, dass die gegenwärtige Vertragslage einen Baubeginn des Museums der Moderne zum Ende des Jahres 2019 vorsieht. Die Stiftung Sammlung Marx erkennt die Bemühungen der Bundesregierung und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz an, diese Frist einzuhalten.“

          Doch für den Fall, dass diese Frist verstreiche, „ist die Stiftung Sammlung Marx jederzeit bereit, in abermalige Verhandlungen mit der Bundesregierung und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einzutreten.“

          Das bedeutet: Wie auch Egidio Marzona wären Erich und Axel Marx bereit, noch einmal grundlegend darüber zu sprechen, was man eigentlich will und wie viel es kosten sollte, muss und darf. Mit dem Statement der Familie Marx ist klar, dass man einen eiligen Spatenstich in diesem Jahr nicht mit der Angst rechtfertigen kann, dass sonst die Sammler ihre Sammlungen abziehen. Monika Grütters wird erklären müssen, warum dann trotzdem so hektisch losgebaut werden muss: Will man ein Großkunstwerk von Herzog de Meuron, egal was es kostet? Oder will Grütters die Eröffnung noch als Kulturministerin erleben? Warum die fatale Eile?

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