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Neue DFB-Akademie : Platz für Pokale

Hier soll der deutsche Fußball aufs Neue erblühen: Blick in die großen Halle der DFB-Akademie. Bild: Cindy Rangelow/DFB

Weltmeisterliche Arbeitsbedingungen: Der DFB hat sein neues, 150 Millionen Euro teures Haus in Frankfurt bezogen. Der Zeitpunkt ist glücklich gewählt, die Architektur sorgt für Aufbruchstimmung.

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          Das Timing stimmt, und das ist in der jüngeren Vergangenheit selten der Fall gewesen im DFB. Der neue Hauptsitz des Deutschen Fußballbundes in Frankfurt ist zu einem Zeitpunkt fertiggestellt worden, da Skandale und innere Zerwürfnisse fürs Erste überwunden scheinen. Der Bau schlägt gewissermaßen eine Brücke aus der zumindest äußerlich goldenen Vergangenheit über die dunklen Jahre 2015 bis 2021 hinweg in eine möglicherweise helle Zukunft: Es war im Weltmeisterschaftsjahr 2014, als die Stadt das Areal der ehemaligen Galopp-Rennbahn an den Sportverband verkaufte und der Architektenwettbewerb entschieden wurde. Das geschah noch unter Wolfgang Niersbach. Zwei weitere Präsidenten haben sich während der langen Planungs- und Bauzeit Hoffnungen gemacht, in das Chefbüro einziehen zu dürfen, doch sie alle haben es vermasselt, als Täter und zugleich Opfer in einem intrigengesättigten System.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

          Der Vierte in der Reihe residiert jetzt als Hoffnungsträger an der Schwarzwaldstraße: Bernd Neuendorf wird am heutigen Donnerstag die Gäste aus Anlass der offiziellen Eröffnung begrüßen. Die erste Reihe der Bundespolitik kommt dem Vernehmen nach nicht nach Frankfurt-Sachsenhausen. Das mag an der weltpolitischen Lage liegen oder auch daran, dass man in Berlin dem Neuanfang des DFB noch nicht recht traut.

          Meister der Horizontalen

          Immerhin, das neue Heim des DFB ist nicht dazu angetan, eventuelle Vorbehalte zu verstärken. Es ist groß geworden, keine Frage, die Geschossfläche beträgt ziemlich genau 50.000 Quadratmeter. Und es hat viel Geld gekostet (rund 150 Millionen Euro, in der Summe ist allerdings noch nicht alles enthalten). Aber es kommt nicht protzig oder exaltiert oder überbetont nüchtern daher.

          Der Bau in einer Computersimulation: Links befindet sich der Trakt der Verwaltung, rechts im Vordergrund der Flügel, in dem die eigentliche Akademie untergebracht ist. Aktuelle Fotos vom fertigen Bau hat der DFB noch nicht veröffentlicht.
          Der Bau in einer Computersimulation: Links befindet sich der Trakt der Verwaltung, rechts im Vordergrund der Flügel, in dem die eigentliche Akademie untergebracht ist. Aktuelle Fotos vom fertigen Bau hat der DFB noch nicht veröffentlicht. : Bild: DFB

          Der zurückhaltende Auftritt liegt womöglich auch an dem Bürgerentscheid, zu dem die Frankfurter im Jahr 2015 aufgerufen waren. Anhänger des Galoppsports wollten damals die Veräußerung der Rennbahn an den DFB verhindern und machten mit einer populistischen Kampagne gegen das Projekt mobil; die Präsentation eines Prachtbaus hätte die Stimmung zuungunsten der Fußballer wenden können. Mit der Entscheidung für den Entwurf des Aachener Architekturbüros kadawittfeld aus einem Wettbewerb mit 30 Büros, darunter internationale Stararchitekten, hielt der DFB den Ball flach. Das Team um Kilian Kada und Gerhard Wittfeld hat das gewaltige Volumen in einem 300 Meter langen, überwiegend dreigeschossigen Bau untergebracht. Das Büro bestätigt damit seinen Ruf, Meister der Horizontalen zu sein: Schon im Fall des Bürogebäudes Laces auf dem Adidas-Campus in Herzogenaurach und des Keltenmuseums auf dem Glauberg haben sie große Volumen so abgeschichtet und rhythmisiert, dass weder von Langeweile noch von Überwältigung die Rede sein kann.

          Galerien, Brücken und Treppen

          Diese Wirkung erzielen sie auch dadurch, dass sie die hohe Kunst beherrschen, für einen markanten Abschluss der Fassaden nach oben zu sorgen. So auch im Fall der DFB-Akademie, die ein vielfach gefaltetes, weißes Dach mit ausgeprägtem Überstand bekommen hat, das den gesamten Gebäudekomplex mit seiner eher dunkel gehaltenen Fassade aus Blech und Glas wie eine Decke mit kubistischem Faltenwurf überwölbt und dem Ganzen eine beinahe heitere Note gibt. Das programmatische Motto des Wettbewerbs („Unter einem Dach“) wurde geradezu mustergültig erfüllt; andere Teilnehmer des Wettbewerbs hatten unterschätzt, wie wichtig dieser Aspekt dem Bauherrn tatsächlich war.

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