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Die neue Bourse de Commerce : Ein Leuchtturm für die Kunst der Gegenwart

  • -Aktualisiert am

Spektakuläre Aussicht auf die Malereien an der Unterseite der Kuppel: Tadao Ando hat die architektonische Struktur der ehemaligen Warenbörse auf die Metaebene gehoben. Bild: dpa

Mit der von Tadao Ando zum Pinault-Museum umgebauten Bourse de Commerce rückt Paris dem Ziel einen Schritt näher, wieder Zentrum der Moderne zu werden.

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          Der von einer Glaskuppel gekrönte Rundbau der Bourse de Commerce ist den Bewohnern und Besuchern von Paris wohlvertraut. Seit mehr als 130 Jahren – und in Teilen noch viel länger – erhebt er sich unweit des nordöstlichen Ecks des Louvre. Doch das Innere war nur wenigen bekannt, bis die ehemalige Warenbörse nach zweieinhalbjährigem Umbau am 22. Mai als Ausstellungsort für die Kunstsammlung von François Pinault wiedereröffnet wurde. Und auch jetzt umweht das monumentale Pariser Standbein der Pinault Collection, die seit rund fünfzehn Jahren bereits zwei Orte in Venedig bespielt, noch ein Hauch von Geheimnis.

          Vor dem Haupteingang zur Rue du Louvre hin flattert eine zwischen Silber und Bronze changierende Fahne der Brüder Bouroullec, auf der keinerlei Zeichen zu finden ist. Zur rechten Hand sendet an der Spitze der sogenannten Colonne Médicis eine Lichtinstallation von Philippe Parreno enigmatische Farbsignale gen Himmel. Die Bourse de Commerce – Pinault Collection: ein unbeschriebenes Blatt, das der pausbäckige Zeitgeist hin und her bläst, oder ein Leuchtturm, der die Klippen und Untiefen der neuen und neuesten Kunst umschiffen hilft?

          Mit Augenmaß und ohne Anmaßung

          Der runderneuerte Rundbau taugt jedenfalls zur Ikone in der an architektonischen Wahrzeichen nicht armen Lichterstadt. Seine Ursprünge reichen zurück ins letzte Viertel des sechzehnten Jahrhunderts, als Katharina von Medici sich in einem Hof ihres Hôtel particulier eine 31 Meter hohe Säule mit Aussichtsplattform erbauen ließ. Der Palast der Königin wurde 1748 abgerissen, die „Colonne Médicis“ jedoch dank der vielleicht ersten denkmalschützerischen Aktion in Frankreich gerettet und der Fassade einer neuen Getreidehalle einverleibt.

          Die Wachsplastik von Urs Fischer wird sich verformen, sobald Sonnenlicht von oben in den Saal strahlt.
          Die Wachsplastik von Urs Fischer wird sich verformen, sobald Sonnenlicht von oben in den Saal strahlt. : Bild: AFP

          Den Innenhof dieses Ringbaus überdachte man 1781 mit einer Kuppel, deren hölzernes Tragewerk dreißig Jahre später durch ein solches aus Eisen ersetzt wurde. Sigfried Giedion schrieb 1928 in seinem enorm einflussreichen Buch „Bauen in Frankreich. Bauen in Eisen. Bauen in Eisenbeton“ über das Werk von François-Joseph Bélanger und François Brunet: „Es ist unseres Wissens das erste Mal, dass Architekt und Ingenieur nicht mehr in einer Person vereinigt sind.“ Im Hinblick auf die Weltausstellung von 1889 endlich verwandelte Henri Blondel die Getreidehalle in eine Warenbörse, bewahrte lediglich die Innenfassade und baute den Rest neu, einschließlich einer von halber Höhe an verglasten Kuppel.

          Die Architektur rahmt den Blick, ohne ihn zu beengen

          Den durch Blindböden, Zwischendecken und vieles mehr entstellten Bau haben kundige Hände um den Denkmalarchitekten Pierre-Antoine Gatier und die Restauratorin Alix Laveau jetzt in seinen Zustand von 1889 zurückversetzt – mit Augenmaß und ohne Anmaßung. Was dem 160 Millionen Euro teuren Umbau indes eine andere Dimension verleiht, ist Tadao Andos Eingriff im überdachten Innenhof. Der Japaner fungiert gleichsam als Pinaults Hausarchitekt seit dessen gescheitertem Projekt, auf der Île Seguin im Pariser Südosten eine Behausung für seine Sammlung errichten zu lassen. In der Folge zeichnete Ando verantwortlich für den Umbau des Palazzo Grassi und der Punta della Dogana in Venedig.

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