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Architekt Renzo Piano wird 80 : Die unerwartete Leichtigkeit des Steins

Volle Fahrt voraus: das Nemo, ein von Renzo Piano entworfenes Technologie-Museum in Amsterdam Bild: Picture-Alliance

Der in Genua geborene Architekt nähert sich dem Bauen sozusagen von der Seeseite her. Und es ist vielleicht auch kein Zufall, dass viele seiner besten Bauten am Meer stehen: Zum Achtzigsten von Renzo Piano.

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          Es gibt Architekten, deren Begabung immer wieder über Qualitäten und Fähigkeiten erklärt wird, die im engeren Sinn nichts mit dem Bauen zu tun haben. So wird in fast jedem Text über die Bauwerke von Tadao Ando darauf hingewiesen, dass der Japaner Profiboxer gewesen sei, als erklärte das, warum seine Betonhäuser wie präzise Faustschläge in der Landschaft sitzen. Über den italienischen Architekten Renzo Piano ist immer wieder zu lesen, dass er ein passionierter Segler ist: Fotos zeigen ihn, wie er am Steuer einer großen Yacht, die Sonne im Gesicht, vom Wind angezaust, einen Zigarillo in der Rechten, vor den Skylines großer Städte kreuzt.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Und tatsächlich ist es so, dass Pianos Leidenschaft für Boote, für das Leichte und Präzise der Takelagen und der Segel, für den Umgang mit Aqua- und Aerodynamik, mehr als ein Hobby ist. Das Segelboot prägt sein Bauen; man kann sagen, dass der 1937 in der italienischen Hafenstadt Genua geborene Piano sich dem Bauen sozusagen von der Seeseite her nähert. Und es ist vielleicht auch kein Zufall, dass viele seine besten Bauten am Meer stehen – das Kulturzentrum auf Neuguinea etwa, wo sich der vom Meer wehende Monsun in den „Windohren“, einer flexiblen Mahaghoni-Flechtkonstruktion, fängt und das Gebäude bei Hitze ventiliert, bei Sturm aber schließt. Wo Pianos Bauten nicht am Meer stehen, da sehen sie wenigstens aus, als wären sie gestrandet – die wunderbare Fondation Beyeler bei Basel zum Beispiel, die japanische Strenge und Ruhe mit kalifornischer Offenheit verbindet, als läge dort, wo der Rhein fließt, mindestens der Pazifik.

          „Der Hafen“, schrieb Piano einmal, „ist ein beeindruckender Schauplatz, weil er sich ständig wandelt wie die Spiegelungen im Wasser. Es war jedes Mal ein großes Ereignis, wenn meine Mutter mich mitnahm in diesen alten und ein wenig düsteren Stadtkern, der mit dem Duft der Kichererbsenfladen erfüllt war. Mütterlich und warm beschützend, war er das genaue Gegenteil des Hafens.“ Zwischen diesen Polen – der Stille, dem Warmen und Bergenden, das er mit seiner Wohnsiedlung in der Pariser Rue des Meaux inszenierte, und dem Glitzernden und Leichten und Offenen – bewegt sich seine Architektur.

          Später auch viel Durchschnittliches

          Der intelligente, ressourcenschonende Leichtbau interessierte schon den jungen Piano, der 1967 mit seinem Schalendach für die Mailänder Triennale und dann mit dem italienischen Pavillon für die Weltausstellung im japanischen Osaka bekannt wurde. Sein berühmtestes Frühwerk aber war eine Kooperation: Zusammen mit Richard Rogers setze er sich gegen mehr als sechshundert Mitbewerber für den Bau des Centre Pompidou in Paris durch, das 1977 eröffnet wurde und wie ein aus der Zukunft in die Gegenwart gestürzter Herzschrittmacher zwischen den alten Sandsteinhäusern nahe dem Hallenviertel steht. Die Architekten hatten innen größtmögliche Freiheit haben wollen und deswegen das Tragwerk, die Gebäudetechnik, Treppen und Aufzüge nach außen verlegt und als Pop-Art-Maschine bunt anmalen lassen – Tragwerk weiß, Wasserrohre blau, Stromleitungen gelb, Treppen rot, Klimaanlage grün.

          Vor allem aber sollte die Kulturmaschine ein sozialer Apparat sein; das junge Frankreich sollte, ungeachtet der sozialen Herkunft, schulklassenweise durch die gläserne Röhre in die Ausstellungen des Kunstmuseums und in die Bibliothèque Publique mit ihren zweitausend Leseplätzen kommen, sollte durchs Musikforschungszentrum Ircam in die Kinderwerkstatt, Kinos und Theatersäle, Buchladen und Panorama-Café ganz oben gepumpt werden und hier Werte, Chancen und Schönheit der Republik kennenlernen.

          Dass das zur Architekturfabrik mutierte Büro Piano später auch viel Durchschnittliches, mit klapprigem Terrakotta und Allerweltsmetall Verhängtes ausspuckte, vergisst man angesichts seiner wegweisenderen Bauten: Selten spielen soziale, technische und ästhetische Intelligenz so zusammen wie bei ihm. An diesem Donnerstag wird Renzo Piano achtzig Jahre alt.

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