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Schon früher entschlüsselt : Die „Heiligen Zeichen“ Ägyptens

  • -Aktualisiert am

Die Bildbeispiele für den König: Hieroglyphen auf folio 22v des Manuskripts Royal 12 C III der British Library Bild: British Library London

Im prächtigen Kodex Royal C 12 III der British Library wurden bereits 1507 die „Heiligen Zeichen“ Ägyptens zum Teil richtig entschlüsselt.

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          Im Jahre 1419 erwarb der Floren­tiner Cristoforo Buondelmonti auf der griechischen Insel Andros ein Manuskript, das er drei Jahre später nach Florenz brachte und das auf begeistertes Interesse in der dortigen Humanistenwelt stieß. Es handelte sich um ein Exemplar der „Hieroglyphika“ des ägyptischen Philosophen Horapollon – eine Art Wörterbuch der Hieroglyphen – in der von einem sonst nicht weiter bekannten Philippos erweiterten griechischen Fassung. Man hielt das heute in der Biblioteca Laurenziana in Florenz unter der Signatur Plut. 69.27 auf­bewahrte Buch für einen aus der Antike stammenden Kodex – heute weiß man, dass er ins vierzehnte Jahrhundert zu datieren ist.

          Horapollon hatte die „Hieroglyphika“ im fünften Jahrhundert nach Christus in Ägypten zu einer Zeit verfasst, als fana­tische christliche Fundamentalisten alles zu zerstören suchten, was paganen Ur­sprungs war. Damals waren die Hiero­glyphen längst zu Kryptoglyphen geworden – zu Zeichen, die kaum noch jemand lesen konnte. In Hieroglyphen verfasste Texte wurden nicht mehr in Stein ge­meißelt oder auf Papyrus geschrieben, das Wissen um ihre Bedeutung aber war nicht völlig verloren. Horapollons Quellen kennen wir nicht; in seiner Darstellung wurden Hieroglyphen zu Symbolen und dienten dazu, die Welt in Bildern zu fassen. Er bereicherte die Ausführungen zu den Zeichen auch mit allgemeineren Informationen. Insgesamt wurden in der erweiterten Fassung der „Hieroglyphika“des Horapollon 189 Hieroglyphen be­schrieben.

          Die Humanisten des fünfzehnten Jahrhunderts glaubten, mit dem Werk des Horapollon endlich ein Hilfsmittel in der Hand zu haben, mit dem sie die Texte lesen konnten, die auf den in der Antike nach Rom gebrachten Obelisken ein­gemeißelt waren. Das Verständnis der Hieroglyphen erschien ihnen deshalb so wichtig, weil sie mehrheitlich der Überzeugung waren, dass es eine allzeit gül­tige universale, eine vollkommene Sprache geben müsse, die in der Form von Symbolen fassbar sei. Diesen glaubte man in den heiligen Zeichen der Ägypter nahe zu kommen.

          Die Decodierungs-Avantgarde

          Ein kleiner Kodex der British Library bezeugt die zu Beginn des sechzehnten Jahrhunderts nach wie vor ungebrochene Begeisterung der Gelehrten für Hieroglyphen in besonderer Weise – seine majestätische Signatur ist Royal MS C 12 III. Zu Beginn erfährt man, worum es in der nur 25 Blätter umfassenden Prachthandschrift geht: „Index rerum, quae ab Egy[p]tiis quondam hierogliphis scribebantur“, das heißt „Index der Dinge, die von den Ägyptern einst in Hieroglyphen geschrieben wurden“.

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