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Steinmeier zeigt DDR-Kunst : Sie begaben sich in Gefahr

Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender vor dem „Seiltänzer“ von Trak Wendisch, rechts dahinter Harald Mentzkes „Januskopf“. Links hängt inks „Kaspar – kopfüber in Damenstiefeln“ (1987) von Hartwig Ebersbach. Bild: dpa

Eine Ehrung für die Mutigen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigt fünf Gemälde von DDR-Künstlern in der Eingangsgalerie seines Amtssitzes Schloss Bellevue.

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          Die Gemäldesammlung im Schloss Bellevue ist kein Demonstrationsobjekt. Wer vom Treppenhaus durch die Säle im ersten Stock läuft, in denen der Bundespräsident seine Gäste empfängt, kommt an Reiterbildnissen des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm und seines Urgroßneffen Friedrich Wilhelm III. vorbei – Letzteres eine Leihgabe des Hauses Hohenzollern –, einem Porträt des Alten Fritz, einer Straßenszene von Beckmann und einem Atelierbild von Liebermann.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Ein Kunst- oder gar Geschichtsprogramm entsteht aus diesem Dreiklang aus Preußen, Ex- und Impressionismus nicht. Am ehesten könnte man noch das Porträt Friedrich Eberts von Emil Orlik als Bekenntnis zur Weimarer Republik lesen, wenn es nicht ganz so beiläufig im Parterre am Eingang zur Parkterrasse aufgehängt wäre.

          Der Balanceakt zwischen Sein und Nichts

          Seit letztem Donnerstag nun hat zumindest ein Saal in Bellevue Symbolwert. In der Eingangsgalerie des Schlosses, die alle Besucher passieren müssen, hängen jetzt fünf Bilder von Malern der späten DDR, keine Staatskünstler, versteht sich, sondern Meister des ästhetischen Eigensinns.

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender stehen im Schloss Bellevue mit den Künstlern (von links nach rechts) Trak Wendisch, Hartwig Ebersbach, Till Firit, Sohn des Künstlers Günter Firit, Angela Hampel und Harald Metztkes zusammen.
          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender stehen im Schloss Bellevue mit den Künstlern (von links nach rechts) Trak Wendisch, Hartwig Ebersbach, Till Firit, Sohn des Künstlers Günter Firit, Angela Hampel und Harald Metztkes zusammen. : Bild: dpa

          Aus den postsozialistischen, von Albträumen und Ekstasen geschüttelten Phantasien von Angela Hampel, Günter Firit, Trak Wendisch, Hartwig Eberbach und Harald Metzkes ragen zwei Gemälde heraus, Wendischs „Seiltänzer“ und Metzkes’ „Januskopf“ – das erste eine bodenlose Allegorie auf den Balanceakt des Individuums zwischen Sein und Nichts, das zweite ein Menetekel auf den Kult der Zukunft, den das Regime des Ostens betrieb. Beide Maler leben noch, der eine hat gerade seinen neunzigsten, der andere den einundsechzigsten Geburtstag gefeiert; in ihrer Kunst reichen sich die Gründergeneration und die Mauerkinder der DDR die Hand.

          Feinde von hinten und von rechts

          Bei der Vorstellung der neuen Galerie berief sich Frank-Walter Steinmeier auf Wolf Biermanns Satz von der Gefahr, in der umkomme, wer sich nicht hineinbegebe. Er stammt aus dem „Selbstporträt für Reiner Kunze“, aus dem man auch sonst viel zitieren könnte, etwa die Stelle von den vielen „guten Feinden . . . von vorn, von hinten, und zur Seit’“ – und von rechts, müsste man ergänzen –, die den Künstlern drohen. Der Bundespräsident sieht die Präsentation als Verbeugung vor all denen, die im Sozialismus „etwas riskiert haben“, auch den Demonstranten vom Herbst 1989. Bis zum Oktober nächsten Jahres sollen die Bilder in Bellevue bleiben. Dann wird umdekoriert.

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