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Beuys als rechter Denker? : Wie man den Toten die Bilder erklärt

  • -Aktualisiert am

Beuys setzt 1973 im Einbaum über den Rhein. Bild: Picture-Alliance

Wieder mal wird Joseph Beuys rechtes Denken vorgeworfen, wie auch seinem Mitstreiter Rudi Dutschke. Was ist dran, und was heißt das für das Werk?

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          Dass Joseph Beuys, Schöpfer eines einzigartigen Beitrags zur Nachkriegskunst, Wortführer der Basisdemokratie und Mitbegründer der ökologischen Bewegung, ein mythisch raunender Scharlatan und autoritär agierender Menschenfänger gewesen sei, dieser Vorwurf begleitet sein Werk seit Jahrzehnten. Als 1979 eine Ausstellung im New Yorker Guggenheim Museum seinen Weltruhm zementierte und Beuys für die NRW-Grünen für das Europaparlament kandidierte, widmete der „Spiegel“ ihm eine skeptische Titelgeschichte, und der Kunsthistoriker Benjamin Buchloh rückte ihn in der amerikanischen Zeitschrift „Artforum“ unter dem Vorwurf des Apolitischen und Ahistorischen als Feindfigur aufgeklärten linken Denkens neben Richard Wagner. Bei Wahlkampfveranstaltungen mit Petra Kelly wurde Beuys als „Wasserträger der Neofaschisten“ beschimpft, wie in der soeben neuaufgelegten Biographie von Hans Peter Riegel nachzulesen ist, die zuerst 2013 erschien und nun, nachdem Sperrfristen weiterer Archive abgelaufen waren, neuen Wind macht.

          „Mein ganzes Leben war Werbung, aber man sollte sich einmal dafür interessieren, wofür ich geworben habe“, hat Beuys gesagt. Nun, folgt man Riegel, dann teilte Beuys das, wofür er wirklich warb, nur einem kleinen Kreis von Weggefährten mit, nämlich den angeblich im völkischen Denken der Vorkriegszeit verwurzelten Anthroposophen des Achberger Kreises, die sich in der Gründung der Grünen engagierten. In Riegels Darstellung sah sich Beuys als Nachfolger Rudolf Steiners, der sich berufen fand, die Menschheit in eine „spirituell verankerte Wandlung“ zu führen und insbesondere die Deutschen an ihre herausgehobene Stellung und ihren historischen Auftrag zu erinnern.

          Der Fall Beuys drängt sich einmal mehr als exemplarischer Fall für die Frage auf, wie sehr Kunst und Künstler füreinander in Haftung zu nehmen sind. Er führt aber auch tief in die Frage deutscher Vergangenheitsbewältigung, wie auch an die mitunter obskuren Wurzeln des mit den Grünen verbundenen linksliberalen deutschen Selbstbildes.

          Nicht selten klingt persönliche Aggression durch

          Auf ein Interview mit Riegel in der „Süddeutschen Zeitung“ antworteten einige von Beuys’ Wegbegleitern, darunter der frühere Präsident der Akademie der Künste Klaus Staeck und der frühere Direktor des Berliner Gegenwartskunstmuseums Hamburger Bahnhof Eugen Blume, ebendort mit kurzatmiger Häme und differenzierter Verteidigung, worauf „Welt“ und „Spiegel“ schnell Kommentare nach der Art „wussten wir ja eh schon“ nachreichten. Eine Debatte ist das noch nicht, eher ein Stellungskrieg der Glaubenssätze. Was wohl daran liegt, dass eine differenzierte Auseinandersetzung mit Beuys’ Erbe einen ungeheuren Zeitaufwand verlangt, gibt es doch neben Beuys’ Selbststilisierungen mindestens vier ernst zu nehmende Biographien.

          Es ist Hans Peter Riegel anzurechnen, dass er wirklich jedes Dokument umdrehte, das ihm in die Finger kam. Dies ist wohl die umfangreichste verfügbare Beuys-Biographie. Es ist allerdings auch die am schlechtesten geschriebene, hastig reiht sie Indizien aneinander und rutscht mitunter in eine hässlich ungelenke Sprache ab. Es ist dies wohl der Preis für die Veröffentlichung im Selbstverlag, nachdem Riegel sich nicht den Kompromissen beugen wollte, die der Aufbau-Verlag für die Neuauflage verlangt hätte. Nicht selten klingt persönliche Aggression durch, etwa wenn Riegel ein Kapitel mit der Ausführung schließt, Beuys müsse sich seinen Granatsplitter im Bein im Verteidigungskampf an der Westfront beim „panikartigen Niederwerfen“ eingefangen haben, Nachsatz: „Aus Angst.“ Angst in Lebensgefahr taugt nun wirklich nicht zur Charakterisierung.

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