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Trauern in der Kunst : Die Schönheit des Seelenschmerzes

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In Zeiten hemmungsloser Selbstoptimierung bleibt wenig Raum für Trauer. Die Hamburger Kunsthalle bricht ein Tabu und zeigt sie jetzt in all ihrer Vielfalt.

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          Nach „Besser Scheitern“ 2013 und „Warten“ 2017 ist „Trauern“ die dritte Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle, die sich mit Tabu- und Grenzthemen auseinandersetzt. Auf zwei Etagen beweisen achtundzwanzig Künstler aus fünfzehn Ländern, dass Trauer und Verlust nicht nur niederschmettern, sondern auch inspirieren können. Eine einzige, bestimmte Form von Trauer gibt es bekanntlich ohnehin nicht. Trauer ist individuell und vielschichtig, kulturell und politisch geprägt. Dennoch ist sie ein Gefühl, das jeder kennt. Die Vielfältigkeit des Themas und des Umgangs damit spiegelt sich in der Bandbreite der medialen Darstellung wider. Von Gemälden bis Skulpturen, Klanginstallationen bis Diaprojektionen, Fotografien und Kurzfilmen – die Trauer hat viele Gesichter.

          Auch der politische Aspekt des Trauerns wird in der Ausstellung thematisiert – um wen trauern wir und um wen nicht? Darin steckt immer eine Wertung. Die Ausstellung definiert dieses Gefühl als eine durch einen Verlust hervorgerufene Gemütsstimmung und deren Mitteilung nach außen. In Zeiten hemmungsloser Selbstoptimierung bleibt kaum Raum für die Trauer. Dies erscheint logisch, denn in einer Gesellschaft, in der Effizienz und Ehrgeiz als Ideale vorherrschen, wirkt jedes Innehalten wie eine Niederlage. Trauer kann auch Kontrollverlust und Verletzlichkeit beinhalten – ein Bruch mit dem alltäglichen Betriebsablauf. Daher wird sie häufig beiseitegeschoben und vor den Augen der Öffentlichkeit versteckt.

          Persönliche Trauer im Kontext der Zeitgeschichte

          Daran erinnert auch die deutsche Künstlerin Rosemarie Trockel immer wieder. In Trockels Kurzfilm entfaltet sich eine skurrile Szene: Drei junge Menschen spazieren über einen Friedhof, einer von ihnen legt sich in ein ausgehobenes Grab, direkt neben eine Leiche, und verweilt dort. Die anderen stehen um das Grab herum, rauchen, unterhalten sich. Trockel greift hier eine der ältesten Metaphern der Kunst für den überraschenden Tod auf, „Die drei Lebenden und die drei Toten“. Beiläufig präsentiert sie in der Arbeit die Antizipation des eigenen Todes, emotionslos und artifiziell. Sie hinterfragt, warum der Tod in der Gesellschaft stets losgelöst vom Leben betrachtet wird.

          Dabei sind die Phasen der Trauer und des Innehaltens ein wichtiger kreativer Prozess. Künstler waren stets daran interessiert dort anzusetzen, wo es wehtut. Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die Kunstgeschichte. Genau diese Leerstellen und Umbrüche sind es, die die Ausstellung inspirierend machen. Die Verarbeitung von Verlusten bleibt ein elementarer Teil der Kunst und die Trauer eine Triebfeder für die Inspiration.

          Besonders in einem Kapitel der deutschen Geschichte spielt Trauer als künstlerische Inspiration eine entscheidende Rolle: Die Kunst der DDR war geprägt von einer Stimmung der Düsternis und Melancholie. Die Schau sucht eine Erklärung in der Melancholie als Rückzugsort. Der Grund könne eine permanente Suche nach einem privaten Ort im Inneren sein, der einem nicht genommen werden kann, eine Abgrenzung von jeder propagandistischen und verordneten Großartigkeitsfeier. Der japanische Künstler Seiichi Furuya etwa lebte zwei Jahre in Ostberlin. In seiner Kunst verschwimmt privater Verlust, der Selbstmord seiner Frau, mit den Einflüssen des Lebens in der späten DDR. Furuya übernimmt die Ästhetik und Motive, die man aus dem sozialistischen Realismus kennt, aber die Art und Weise, wie er sie zeigt, sind sehr persönliche Beschreibungen.

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