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Ausstellung in Florenz : Die Aktualität des Manierismus

  • -Aktualisiert am

In einer Ausstellung in Florenz werden die großen manieristischen Maler Pontormo und Rosso vereint. Die Schau zeigt auch, wieso uns diese überdrehte, wilde Kunst gerade heute wieder nahegeht.

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          Manierismus. Schon dem Begriff haftet ein undefinierbarer, vager Geschmack an, als wäre die ganze Kunstrichtung ein Parfüm, dessen Aroma manchem Menschen ordinär und krank, manchem jedoch verführerisch und raffiniert vorkommt. Atmet diese verwirrende, berückende, überzüchtete Kunst des hohen 16. Jahrhunderts demnach Verfall?

          Ist das - wie nicht nur so unterschiedliche Denker wie Oswald Spengler oder Arnold Hauser meinten - der gesetzliche Preis, den eine spätzeitliche Kultur für klassisches Idealmaß zahlen muss? Oder triumphiert in den wackligen Kompositionen, den grellen Farben, den verzogenen Gesichtern und wankenden Riesengestalten die Kunst endgültig, weil endlich referenzlos?

          Indem Florenz im Palazzo Strozzi nun die beiden Erzmanieristen Rosso und Pontormo in einer großartigen Schau vereint, verfestigt sich der staunende Blick auf eine Stilrichtung, die seit der Reinigung der Sixtinischen Kapelle eng mit dem Namen Michelangelo und dessen Heimatstadt, Florenz eben, verbunden ist.

          Konterkarierung eines braven Kanons

          Beider Maler Frühwerke vor 1520 verweisen auf eine tiefe, sichere Verankerung in der städtischen Maltradition mit satten Farben, zeichnerisch-sicherer Linienführung, sowohl bei frommen Konversationsbildern als auch bei strahlend-selbstgewissen Porträts. Brave und satte Vergleichswerke von Andrea del Sarto, wohl Lehrer beider Meister, führen die ganze Klasse und Professionalität der Stadt vor, die damals schon ihren Ruf darauf begründete, die Renaissance erfunden zu haben, die mit Vasari bald die Kunstgeschichte als toskanische Regionalgeschichte schreiben sollte und die vor allem in der ganzen kultivierten Welt - das päpstliche Rom voran - ihre zahlungskräftigen Fans sitzen hatte.

          Nichts deutete auf eine Sonderstellung unter Genies wie Leonardo, Raffael, Michelangelo hin, als Rosso - 1494 als Giovan Battista di Jacopo in Florenz geboren - ins umtriebige Malergeschäft, also eine Werkstatt bei einem Meister, einstieg. 1516 wurde er in die städtische Malergilde aufgenommen, sein Jahrgänger Jacopo di Pontormo aus der toskanischen Kleinstadt Empoli unternahm gleichzeitig etwa dieselben Schritte.

          Pontormo feilte vor allem an einer raffinierten Farbigkeit, zu bewundern etwa an den ausgeliehenen Tafeln der Josephslegende aus der Londoner National Gallery und seinem allzeit sonderbar rothaarig-weißhäutigen Personal, das eher nach Irland als in die Toskana passen will. Rosso, der in der Tat rothaarig war, hingegen entwickelte schon früh ein Faible für sonderbar krasse Gesichter, und das ausgerechnet bei den Kultbildern der obersten Liga. Sein Jesuskind aus den Uffizien blickt degeneriert drein wie eine Saugglockengeburt, sein Johannesknabe aus dem Frankfurter Städel schnauft nicht nur weggetreten, sondern scheint, ein Vögelchen auf dem Kindergemächt, fleißig an seinem Unterleib zu manipulieren.

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