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Dürer-Ausstellung in Aachen : Dürer ist wieder da

Als Dank für sichere Rückkehr gestochen: Dürers heiliger Chris­tophorus von 1521 Bild: Suermondt-Museum-Museum

Wunderschön und voller Wunder: Das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen zeigt eine Ausstellung zu der Kunst und dem Gesellschaftsbild, die sich dem Maler 1520/21 bei seinem Aufenthalt in den Niederlanden boten.

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          Im Januar 1521 bestellte sich Al­brecht Dürer in Antwerpen ein un­gewöhnliches Modell ins Atelier. „Der Mann war 93 Jahre alt und gesund und im Vollbesitz seiner Kräfte“, notierte der Nürnberger Maler, der schon seit einem halben Jahr in der flämischen Handelsmetropole weilte, auf einer Porträtzeichnung, die während der Sitzung entstand. Dürer wusste, was er wollte: ein Überlebenszeichen, die Verheißung hohen Alters. Erst im November war die Leibrente von jährlich hundert Gulden, die ihm Kaiser Maximilian 1515 bewilligt hatte und nach dem Tod des Herrschers eingestellt worden war, von dessen frischgekröntem Enkel Karl V., wieder genehmigt worden. Aber kurz nach dieser frohen Kunde zog sich Dürer bei einem Ausflug in die Provinz Zeeland eine schwere Krankheit zu; die überlieferten Symptome deuten auf Malaria hin. Aller Wahrscheinlichkeit nach starb er 1528 auch daran, mit dann erst 57 Jahren.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Bei seiner Modellsitzung mit dem Greis war Dürer jedoch einigermaßen wie­derhergestellt, und nur zwei Monate später sollte er unter Rückgriff auf die Zeichnungen ein Bild malen, das Furore machen würde. Bei der Darstellung des heiligen Hieronymus in der Studierstube verzichtete Dürer auf dessen wichtigste Attribute (Kardinalshut, Löwe), wie er sie selbst noch im Kupferstich von 1515 benutzt hatte, und zeigte den Kirchenvater als lebendiges Memento Mori, indem der auf einen Totenkopf weist – und eben die Züge des über Neunzigjährigen trägt.

          In der Ausstellung, die das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen der sogenannten niederländischen Reise Dürers widmet, ist das Hieronymus-Gemälde der Schlusspunkt der Abteilung mit eigenhändigen Kunstwerken. Als Leihgabe ist es aus Portugal angereist, und direkt daneben steht in einer Vitrine ein noch kleineres Tafelbild mit einer Hieronymus-Darstellung von 1494, also noch aus Dürers Frühzeit. Das ist normalerweise in der National Gallery von London zu sehen, die gemeinsam mit dem Aachener Museum diese Ausstellung zum fünfhundertsten Jubiläum der Reise konzipiert hat. Aachen hätte damit vor ei­nem Jahr starten sollen, London seine daran anschließende Präsentation im Mai geschlossen. Dann kam Corona.

          Um ein Jahr verschoben, aber ohne Verluste

          Beide Häuser verschoben das jahrelang betriebene Projekt, und das größte Wunder ist, dass fast alle Leihgeber dabei mitspielten. Was bei Altmeisterwerken etwas heißen will und im Falle Dürers noch mehr. Seine Gemälde sind ebenso ikonisch wie empfindlich, die Zeichnungen ein Wunder an Subtilität und noch empfindlicher. Es ist also kein Wunder, dass von den knapp zweihundert in Aachen gezeigten Objekten mehr als die Hälfte gar nicht mehr in London gezeigt werden wird; dafür kommen dort rund siebzig neue dazu, darunter aus Washington die grandiose Haller-Madonna, die Dürer 1498 unter dem Einfluss von Bellinis Kunst malte. Und aus Madrid wird das kaum weniger berühmte – aber welches Dürer-Gemälde wäre es nicht? – Bild „Christus unter den Schriftgelehrten“ von 1506 nach London ausgeliehen.

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