Berlin Biennale :
Das digitale Erhabene

Von Kolja Reichert
Lesezeit: 5 Min.
Bitcoin, Selfies, NSA – die Berlin Biennale liebt die glatten Oberflächen, beschäftigt sich mit Kommerz und will sich zum Zentrum der Debatten um postdigitale Lebenswelten machen.

Zwei Brüder wuchsen in den achtziger Jahren in der Künstlerkolonie von St. Ives an der Küste von Cornwall auf. Simon Fujiwara wurde selbst Künstler, zog um die Jahrtausendwende nach Berlin und hat es in einer Zeit, in der die Kunstwelt so sehr von ökonomischen Strategien bestimmt wird wie nie zuvor, zu einigem Erfolg gebracht. Seit gestern ist seine Installation „The Happy Museum“ (Das Glücksmuseum) in der Akademie der Künste zu sehen, einem von fünf Ausstellungsorten der 9. Berlin Biennale. Auf Podesten präsentiert er Dinge, die in seinen Augen für das Glück Deutschlands stehen, etwa einen Mülltrenner. Spargelstangen liegen neben der neuen Nationalspieler-Edition der Kinderschokolade, und Angela Merkels kameraerprobtes Make-up ist zu einem überdimensionierten Haufen aufgeschüttet. Die subtil ihren Witz entfaltende Installation zeigt freilich einen durchaus britischen, exotischen Blick auf Simon Fujiwaras aktuelle Heimat.

Ohne Abo weiterlesen
Dies ist kein Abo. Ihre Registrierung ist komplett kostenlos, ohne versteckte Kosten.
Oder 3 Monate für 1 € pro Monat Zugang zu allen FAZ+ Beiträgen erhalten und immer aktuell informiert bleiben.