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Aktausstellung zu e.o.plauen : Ich gehe mit einem Lächeln

Subtiler Blick und schneller Strich: „Weiblicher Rückenakt“, ohne Datierung. Bild: e.o. Plauen Stiftung

In Plauen wird eine unbekannte Facette des Werks von Erich Ohser alias e.o.plauen ausgestellt: Auch das Aktzeichnen hat den Schöpfer der Comicserie „Vater und Sohn“ lebenslang begleitet.

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          Selbst in bitterernsten Situationen des Lebens war dem Comiczeichner Erich Ohser noch zum Lachen zumute. Das ist schon in seinen Studienzeiten so gewesen, was eine frühe Fotografie des späteren Schöpfers des Comic-Strips „Vater und Sohn“ (den er unter dem Pseudonym e.o.plauen zeichnete) andeutet. Ohser wird da gemeinsam mit Kommilitonen der Staatlichen Akademie für graphische Künste in Leipzig beim Aktstudium ab­gelichtet.

          Kevin Hanschke
          Volontär.

          Schelmisch grinst der Student, vor ihm ist das Modell drapiert. In der Hand hält er eine Farbpalette – reine Staffage, denn er selbst malte gar nicht, und in den Aktklassen wurde nur gezeichnet. Doch diese Fotografie aus den frühen Zwanzigerjahren lässt erahnen, wie prägend die Aktdarstellungen für Ohser waren. Denn der Akt ist das einzige Genre, das ihn vom Studium bis zum Lebensende durchgängig beschäftigte.

          Schon als Student zeichnete er mit hoher Präzision: Anatomiestudie an der Akademie Leipzig von 1921.
          Schon als Student zeichnete er mit hoher Präzision: Anatomiestudie an der Akademie Leipzig von 1921. : Bild: e.o. Plauen Stiftung

          Mit dem Titel „Körperformen – Aktdarstellungen von Erich Ohser“ widmet sich die e.o.plauen-Galerie in Plauen nun erstmals dem erotischen Werk ihres Namensgebers. Die Schau zeigt hundert Zeichnungen mit Fokus auf Akten – von seinen Studien über Witzzeichnungen bis zu Karikaturen mit nackten Körpern – und setzt sich dabei mit dem dramatischen Leben des Künstlers auseinander.

          Schon im Studium zeichnet er Körper mit hoher Präzision

          Ohser wurde 1903 geboren und wuchs in Plauen auf, wo er eine Schlosserlehre absolvierte. Von 1921 bis 1926 studierte er bildende Kunst in Leipzig. Sein Talent zeigte sich früh: in einer Anatomiestudie von 1921 zeichnete er einen idealisierten Männerkörper und beschriftete minutiös alle Muskelstränge. Neben den teilweise verschlungenen Posen seiner Modelle, die bis hin zu skulpturalen Menschenknoten gehen, fallen vor allem die vielfältigen Körperformen auf, die sich in frühen Zeichnungen finden.

          Ohser hatte keinen bestimmten Figurentyp, weder bei Frauen noch bei Männern. Auffällig ist, dass viele seiner Aktdarstellungen gar keinem Geschlecht zu­geordnet werden können. Bei einer dieser androgynen Körperdarstellungen aus dem Jahr 1924 verschmelzen die Bauchmuskeln mit den Brüsten und die Wadenpartien mit einer grazilen Hüfte.

          Zerfließende Geschlechtergrenzen: „Männlicher Akt, sitzend“, ohne Datierung.
          Zerfließende Geschlechtergrenzen: „Männlicher Akt, sitzend“, ohne Datierung. : Bild: e.o. Plauen Stiftung

          Auch bei der Wahl des Zeichenstils zeigt sich große Diversität. In der An­fangsphase seines Studiums zeichnete Ohser mit akademischer Präzision, was in einem düster-erotischen Aquatinta-Akt deutlich wird, während sich Mitte der Zwanzigerjahre dann seine karikaturistischen Fähigkeiten andeuteten. Grotesk setzte er da Körper in Szene, wie bei einem lachenden weiblichen Akt, auf dem die Frau ihre Arme hebt und das Gesicht verzerrt, während sie sich am Rücken kratzt. Oder ein weiblicher Akt, „auf dem Bauch liegend“, der wie eine von Wilhelm Busch inspirierte Zeichnung wirkt. Nach dem Studium wurde Ohser als Karikaturist unter anderem des sozialdemokratischen „Vorwärts“ bekannt.

          Seit dieser Zeit war er eng mit Erich Knauf und Erich Kästner befreundet; für Gedichtbände des Letzteren fertigte er Illustrationen an. Berühmt aber machten ihn insbesondere Karikaturen von Hitler und Goebbels. Zugleich zog er damit den Hass der Nationalsozialisten auf sich. 1930 heiratete er seine frühere Kommilitonin Marigard Bantzer. Einige der ausgestellten Arbeiten zeigen auch sie, so etwa das Bildnis einer jungen Frau in Rückansicht, die subtil nach hinten blickt. Ohser arbeitete mit schnellem Strich. Sein Interesse galt den Stimmungen der Aktmodelle: Schmerz und Wut, Humor oder Trauer. Die NS-Machtübernahme bedeutete jedoch 1933 das Aus für seine Karikaturistenkarriere.

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