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Ai Weiweis Gastprofessur : Sollte man hier Kunst studieren?

Der chinesische Künstler Ai Weiwei tritt in Berlin seine Einstein-Gastprofessur mit einer Veranstaltung an, die viel über den Kunstbetrieb verrät und nicht unbedingt von seinen positiven Seiten zeugt.

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          Dies war, man kann es nicht anders sagen, eine der trostlosesten Podiumsdiskussionen in der an trostlosen Podiumsdiskussionen nicht armen Stadt Berlin. Einerseits. Und andererseits war dieser Sonntagnachmittag auch interessant – weil er symptomatisch war für den Zustand der universitären Lehre und die Vorstellungen, die das Publikum vom Kunstbetrieb hat.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Es war Ai Weiweis erste offizielle Veranstaltung an der Berliner Universität der Künste, an der er in den kommenden drei Jahren seine Einstein-Gastprofessur ausüben wird. Der Saal war bis auf den letzten Platz ausverkauft, der amerikanische Botschafter saß in der ersten Reihe, und unter dem Schriftzug „Welcome“, als sollte auch hier ein Flüchtling begrüßt werden, saßen Teile des Lehrkörpers und Ai Weiwei selbst.

          Universität der Künste : Ai Weiwei tritt Gastprofessur in Berlin an

          Es ist in den vergangenen Monaten viel über ihn geschrieben worden, über seine Rolle als Dissident, der lange unter Hausarrest stand und in seiner Kunst oft Mittel der investigativen Recherche anwendet, wenn er etwa nach den Gründen forscht, weshalb Schulgebäude zusammenbrechen. An diesem Nachmittag sollte es aber ausdrücklich nicht um Meinungsfreiheit und Menschenrechte gehen, Menschenrechte, betonte der UdK-Präsident Martin Rennert, „stehen nicht auf seinem Lehrplan“, Kunst habe Fragen nach der menschlichen Existenz zu stellen, wobei er offenließ, warum die Bedingungen, unter denen Menschen etwa in China leben, nicht zu diesen Fragen gehören sollen. Es sollte stattdessen um die „Kunst, Kunst zu lehren“ gehen. Mit Ai sollten diskutieren: die Videokünstlerin Anna Anders, der Kunstwissenschaftler Karlheinz Lüdeking und der Choreograph Nick Haffner; der Kulturwissenschaftler Thomas Düllo moderierte die Veranstaltung.

          Die Denkpause als kommunikatives Loch

          Man hatte jetzt auf einen programmatischen Vortrag von Ai gehofft, aber er kam kaum zu Wort, da der in der Dingforschung aktive Professor Düllo ihm diverse Dinge vorlegte, die Ai dann zu kommentieren hatte. Ein Album der Band „The Clash“ diente als Aufhänger für ein kurzes Gespräch zu Ais Jahren in New York, wo er von 1983 bis 1993 lebte und mit seinen obsessiven Dokumentationen begann. Schon landete das nächste Ding auf dem Tisch, Ai sagte ein, zwei Sätze, die Professoren sagten vier bis fünf. Ein Familienfoto aus dem Jahr 1921 wurde zum Anlass, um Ais Interesse an Fundsachen zu diskutieren; also erzählte er, wie man in China, als er 1993 zurückkam, noch tausend Jahre alte Objekte auf den Flohmärkten für ein paar Dollar kaufen konnte, und ein in der dritten Reihe sitzender West-Berliner Antiquitätensammler stöhnte lustvoll auf, was eindrucksvoll zeigte, wie Ais Werk bei aller politischer Renitenz in seiner Wertschätzung des verlorengegangenen chinesischen Handwerks auch das gutbürgerliche Manufactum-Publikum anspricht.

          Am besten funktionierte die Dingparade noch bei einem Backstein, der vor Ais Nase aufgestellt wurde. Anna Anders fragte nach idealen Räumen für die Lehre, nach Ais Architektur und seinem Interesse an Backsteinen: Da auf einmal erlebte man den Erzähler Ai Weiwei, der berichtete, wie er in dem Straflager, in das man seinen Vater, den Dichter Ai Qing, verbannt hatte und in dem er aufwuchs, als Zehnjähriger helfen musste, vierhundert Backsteine am Tag herzustellen, und nie hatte man jemanden so von Backsteinen sprechen hören, von der unmenschlichen Plackerei und dem gleichzeitigen Gefühl für die Schönheit des warmen Steins. Man hätte Ai gern länger zugehört, wie er hier dann doch über das Ästhetische und seine politischen Bedingungen sprach, über ideale Räume – keine Chance. Die Denkpausen, die er machte, nahm man auf dem Podium als kommunikatives Loch, in das eine neue Frage gestopft werden musste.

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