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Abgang eines Museumsdirektors : Aber einmal noch ein König

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Kasper König hat in seiner Zeit in Köln seine Kämpfe gewonnen, und wenn er etwas nicht bekam, das er wollte, hat er unverfroren mit Kündigung gedroht. Seine Gegner hatten immer Angst vor dem Aufruhr, den Kasper König auslösen kann, wo er steht und geht: für sein Haus, seine Leute und seine Kunst. Ob in Situationen als den städtischen Herren das Ausstellungsplakat von Matthew Barney zu blutig oder Wolfgang Tillmans’ nackter Mann von unten zu obszön war, oder als es um handfeste Streitigkeiten um Budgets, Ankäufe und Kooperationen ging. Er hat mit List, die Sammlung vergrößert und gestärkt und dabei ein extrem gutes Auge bewiesen.

“Ich bin nicht der Rambo, für den viele mich halten“, sagt er. „Ich bin direkt, aber nicht verletzend.“ Dabei schaut er einem in die Augen und hält den Blick. Dann muss er los. Phil Collins wartet. Der Videokünstler hat ihm eine CD mitgebracht. Die Waliserin Cate Le Bon singt mit ihrer dunklen Stimme aus Heimsuchung und Lockung: „It’s not the end.“

Ein letzter Versuch also. Was bedeutet es für ihn, jetzt Abschied zu nehmen? Kasper König schickt mich zu einem Werk von Andreas Fischer, das gerade für eine Ausstellung im Dezember vorbereitet wird. Dort spricht ein Sessel: „We transform your fear into the capability of love“. Später antwortet König dann doch, so als habe er den ganzen Tag überlegen müssen. Was es bedeutet? „Erleichterung“.

Als er an diesem letzten Arbeitstag aus dem Museum tritt, ist der Himmel seltsam blau erleuchtet, als würden wir auf einen Jeff-Wall-Leuchtkasten schauen. Über der Dauerbaustelle an der Ecke prangt am Himmel ein weißes Quadrat, das vier Flugzeuge unheimlich präzise in den Himmel geschnitten haben. König und seine kleine Entourage bleiben stehen und staunen. So viel Kitsch zum Abschied. Das passt nicht zu diesem eher unsentimentalen Mann. Und doch packt es ihn. Er steht da, schaut lange hoch, nimmt den Augenblick wahr. Die kleine Gruppe bewegt sich gemütlich weiter Richtung Hauptbahnhof. Es geht nach Bochum zur Verleihung des Nam June Paik Awards. Denn König wird heute noch so tun als wäre nichts. Erst morgen wird es vorbei sein. Dann zieht er zu seiner Frau, der Galeristin Barbara Weiss nach Berlin, und mietet gleichzeitig ein kleines Zimmer in Brüssel. Angebote hat er von mehreren amerikanischen Universitäten. Vielleicht wird er ein Reisender, jetzt, wo er kein Haus mehr hat.

Am Abend verändert der neue Direktor des Museums Ludwig seinen Status auf Facebook: „Philipp Kaiser hat seinen Wohnort in ,Köln’ geändert.“ Wir sind jetzt „Freunde“. Der „Gefällt mir“-Button wartet direkt daneben.

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