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Abgang eines Museumsdirektors : Aber einmal noch ein König

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Als er kam, vor zwölf Jahren, machte er als erstes eine Ausstellung, die er das „Museum unserer Wünsche“ nannte. Darin versammelte er alle Objekte, die er für das Museum zu kaufen wünschte, ausgezeichnet mit silbernen Schildchen, die gegen goldene ausgetauscht wurden, sobald sich dafür Mäzene gefunden hatten. Im Grunde steckte in dieser Ausstellung schon der ganze König drin. Sich selbst zum Maßstab einer Sache machen und sie doch offenhalten, damit alle sich beteiligen können. 2000 Werke sind in seiner Amtszeit angekauft worden, achtzig von ihnen hat er zuletzt in einer sehr persönlichen Ausstellung zusammengefasst. Sie hieß: „Ein Wunsch bleibt immer übrig“.

Das einzige, das er seinem Nachfolger nun überlässt, ist, vom Museum einmal abgesehen, ein Paar riesenhafte, schwarze, ausgebeulte Clownsschuhe, die noch in seinem Büro auf einer Kiste stehen. Kasper lacht ein bisschen böse. Ein Jahr wolle er nun nicht mehr nach Köln kommen. „Es gibt hier viele Leute, die heucheln Interesse, aber es geht ihnen um etwas anderes. Da muss sich Kaiser erst einmal zurechtfinden.“ König tut gelassen. Doch natürlich bangt er um sein Erbe.

An diesem Tag finden sich die Restauratoren, Kuratoren, Dokumentaristen und Museumspädagogen zum letzten Jour Fixe zusammenfinden, um noch einmal die Gläser heben. Sie strahlen als Gemeinschaft etwas Energisches aus, so als hätten sie gerade einen erfolgreichen Raubzug abgeschlossen. In der Sitzung aber wird heftig gestritten werden, weshalb ich draußen warten muss. Worum es ging, erfahre ich nicht. Später stehen alle im Konferenzsaal des Museumsgebäudes, über das viele sagen, es berge die wichtigste Sammlung an Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts - und den Charme einer Gesamtschule. Kasper König taucht in ihrer Mitte unter. Der schwarze Smoking-Streifen an der Hose glänzt. Seine schwarze Plastikuhr sitzt an der rechten Außenseite des rechten Handgelenks. Wie kann er da die Zeit ablesen? „Alles ist im Fluss“ oder „jetzt kommt etwas neues“, sagen seine Mitarbeiter und sind schon weiter in Gedanken. Vielleicht beim Nachfolger Philipp Kaiser, 39 Jahre alt, und also dreißig Jahre jünger.

Ich bin kein Rambo

Königs Mitarbeiter siezen ihn alle. Er will das so. „Ich habe eine panische Angst vor dieser Duz-Kumpanei“, sagt er. Seine Mitarbeiter sagen, er sei immer konfrontativ, man müsse energisch sein, wenn man etwas bei ihm durchsetzen wollte. Gleichzeitig schwärmen sie von der identitätsstiftenden Kraft, die er ihnen gegeben habe, selbstbewusst aufzutreten, keinen Kürzungen nachzugeben, gar Schwäche zu zeigen, niemals faule Kompromisse zu diskutieren. Sie treten an, um das Museum als schützenswertes Kulturgut zu verteidigen. Doch Königs Mannschaft spielt in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle. Sie sonnten sich in seinem Erfolg und standen gleichzeitig in seinem Schatten.

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