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Jubiläumsjahr der Kunstschule : Welches Bauhaus soll’s denn sein?

Vergesst die Abgründe nicht: Das Bauhaus war mehr als nur eine Werkstatt des Fortschritts. Bild: Picture-Alliance

In Berlin beginnen die Großfeierlichkeiten zum Jubiläum der 1919 in Weimar gegründeten Kunstschule. Sie wird als Inbegriff eines modernen, weltoffenen, guten Deutschlands gefeiert. Zu Recht?

          5 Min.

          Was war das Bauhaus? Wofür steht es? Auf diese Frage gibt es im Jubiläumsjahr, in dem der Gründung der Kunstschule vor hundert Jahren gedacht wird, mehrere Antworten. Am kommenden Mittwoch beginnt in Berlin das große Festprogramm, im April eröffnet der Neubau des Bauhaus-Museums in Weimar, die Feierlichkeiten werden mit Millionenbeiträgen staatlich gefördert, das Eröffnungsfestival steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten, der die Festivitäten auch eröffnen wird – und schon jetzt geht es um mehr als darum, an eine für Deutschland bedeutende Kunstschule und ihren Einfluss im 20. Jahrhundert zu erinnern.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Das Bauhaus, das schon in den Ankündigungstexten des Festivals als „experimentell, vielgestaltig, transnational, radikal zeitgemäß“ und „interdisziplinär“ gefeiert wird, ist zur nationalen Sinnstiftungsmaschine geworden: Eröffnet 1919, von den Nationalsozialisten 1933 geschlossen, steht es für das moderne, gute Deutschland der Weimarer Republik, einen Ort, an dem Marcel Breuer seinen „Freischwinger“ baute (allein das Wort: Frei sein, schwingen...) und wo, von Marianne Brandts euphorisch kühl-technischem Teeservice bis zu Werner Graeffs „freien Rhythmus-Studien“ von 1921, die den abstrakten Expressionismus vorwegnehmen, erstaunliche, wegweisende Formen entstanden. Zum ersten Mal in einer Kunstschule standen nicht Zeichensäle und Werkstätten im Zentrum, sondern Speisesaal und Bühne, also Orte für Gemeinschaft und Feste, Fiktionalisierung und Möglichkeitssinn, für neue Formen nicht nur der Produktion von Dingen, sondern des Lehrens und Zusammenlebens.

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