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Kunst & Markt : Beachtliche Summen für Spitzenwerke - Ergebnisse bei Kornfeld

  • -Aktualisiert am

Klassische Moderne hat ihren Preis. Bei Kornfeld in Bern gingen auffällig viele Spitzenstücke in die USA.

          2 Min.

          Bewohner der Schweiz können sich nicht nur Butter und Schokolade im eigenen Land leisten, auch für die Kunst haben die Eidgenossen offensichtlich immer Geld übrig. Laut der aktuellen TEFAF-Studie macht der Kunstmarkt des Alpenstaates mit 624 Mio. Euro fast genauso viel Umsatz wie jener in Deutschland. Und das bedeutet Nummer Drei in Europa.

          Die Berner Galerie Kornfeld hat daran einen nicht unwesentlichen Anteil. Mit ihrer jährlichen Auktion „Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts“ erzielte sie am Wochenende eine Zuschlagsumme ohne Aufgeld von über 18 Millionen Franken.

          Beachtliche Summen für Spitzenwerke

          Während der deutsche Handel momentan selbst mit dem Erwerb von Butterbroten überfordert zu sein scheint, bewilligten schweizerische, amerikanische und britische Kollegen beachtliche Summen für einige Spitzenwerke. Für Marc Chagalls „Village en Fête“ von 1978 erhielt ein Schweizer Händler den Zuschlag bei 1,65 Millionen Franken nach einer Taxe von 600.000 Franken, immerhin einer der höchsten Preise, die für ein nach 1970 entstandenes Werk des 1985 verstorbenen Russen bisher auf einer Auktion geboten wurden.

          Paul Klee, Die kleine J. reisefertig, 1928, 1.150.000 CHF
          Paul Klee, Die kleine J. reisefertig, 1928, 1.150.000 CHF :

          Die transatlantische Konkurrenz sicherte sich im Gegenzug die komplette Suite aller 42 Lithografien, mit der Chagall die antike Dichtung „Daphnis et Chloé “ des Griechen Longus illustriert hatte, für eine Million Franken. Die wohl größte Freude machte sich jedoch ein einheimischer Sammler. Er gönnte sich die in Öl- und Deckfarbe durchgepauste und mit Aquarell übergangene Zeichnung „Die kleine J reisefertig“ von Paul Klee und entsprach preislich den im Vorfeld nicht genau bezifferten Erwartungen des Versteigerers. Das entzückende kleine Mädchen bescherte mit 1,15 Mio. Franken dem Einlieferer das mit Abstand höchste Auktsonsergebnis für ein Werk Klees in Kontinentaleuropa.

          Amerikanischer Markt saugt Schiele auf

          Ungehindert von eventuell drohendem Exportverbot aus seinem Heimatland, konnten Aquarelle Egon Schieles einem internationalem Publikum angedient werden. Die Offerte eines „Stehenden Halbaktes“ (Taxe 300.000 CHF) und von Exemplar Nummer Eins des Gedenkbuches „In Memoriam Egon Schiele“ von 1921 mit einer Zeichnung sowie zwei Aquarellen des 1918 verstorbenen Österreichers (Taxe 600.000 CHF) nahm der amerikanische Handel denn auch dankbar an und honorierte die Lose mit Geboten von 420.000 und 600.000 Franken. So blieb einem Schweizer Sammler nur die Kohlezeichnung mit einem „Liebespaar“, für das er allerdings auch noch 180.000 statt geschätzter geschätzter 80.000 Franken aufbringen musste.

          Sam Francis kehrt Heim

          Nach der gerade erfolgreich beendeten Art Basel und den eben eröffneten Sonderräumen im Kunsthaus Zürich, nutzte der einheimische Handel die Gelegenheit, sich mit Nachschub von Alberto Giacometti einzudecken und erwarb für 940.000 Franken den ersten von sechs Bronze-Güssen von „Tête de Diego sur Socle“ (Taxe 600.000 CHF) sowie Pablo Picassos kräftiges Aquarell „Tête d'un Homme barbu“ für 370.000 Franken (Taxe 150.000 CHF). Nach Amerika gehen die beiden Gemälde „White No.1“ (Taxe 300.000 CHF) und „Red, Yellow, Blue“ von Sam Francis (Taxe 200.000 CHF), die für 400.000 und 270.000 Franken über den erwerbenden Handel möglicherweise in musealen Besitz wechseln.

          Immerhin ein deutsches Höchstgebot gab es unter den Toplosen. Ein amerikanischer und ein deutscher Sammler entschieden das Rennen um Cuno Amiets „Wäscherinnen in Capolago“ (Taxe 250.000 CHF) und das „Stilleben mit zwei Blumenvasen und Früchteschale“ (Taxe 300.000 CHF) mit Zuschlägen bei 270.000 und 400.000 Franken jeweils für sich.

          Zwei Drittel der 175 ausgewählten Werke des ersten Teil der Auktion konnten abgesetzt werden. Im zweiten Teil mit noch einmal über 700 Losen, die für knapp ein Viertel des Gesamtumsatzes verantwortlich waren, lag die Quote mit 56 Prozent etwas niedriger. Die meisten deutschen Kunstversteigerer, für die dieses Segment das tägliche Brot bedeutet, können allerdings zur Zeit von solchen Ergebnissen nur träumen.

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