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Kunst-Marketing : Und Sie?

  • -Aktualisiert am

Das Museum befiehlt. Dem Frankfurter Städel ist der Marketinggaul durchgegangen. Mit voller Plakatgewalt will man die kollektive Freude auf den Anbau erzwingen, und dann sind da noch diese gelben Gummistiefel.

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          Von den Frankfurtern werden jetzt schon seit Monaten eindeutige Gefühlsbekundungen verlangt: „Die Eintracht freut sich auf den Anpfiff im Neuen Städel. Und Sie?“, lautet die Ansprache des Städel Museums an die Bürger auf zahllosen Plakaten. Das Museum hatte zuletzt Schlagzeilen mit publikumswirksamen Ausstellungen zu Botticelli und Courbet gemacht - und mit einem unterirdischen Erweiterungsbau für das Museum, der von Herbst an die Sammlung der DZ-Bank beherbergen soll.

          Warum eigentlich für eine von einer Bank vorkonfigurierte Sammlung ein Museum bauen - an einem Ort, der für eine von den Bürgern getragene, eben nicht von oben zusammengekaufte Sammlung steht? All diese Zweifel werden jetzt weggespült. Über den Anbau hat sich Frankfurt einfach zu freuen, findet das Städel und holt zur großen Image- und Spendenkampagne aus. Alle Fußballspieler von Eintracht Frankfurt tragen auf dem Werbeplakat gelbe Gummistiefel, die anderen Stars und Halbprominenten, die man zur Bekundung ihrer „Freude“ vor die Kamera holte, auch.

          Du sollst dich identifizieren!

          Nun könnten die gelben Plastikdinger, die zum Markenzeichen des Lieblingsprojekts von Max Hollein, Direktor des Städel und der Schirn Kunsthalle, geworden sind, ja auch bedeuten: Hilfe, wir saufen ab, uns steht das Wasser bis zur Wade - wir ertrinken in Sachen, die wir nicht mehr ausstellen können -, und tatsächlich gab es ja Zweifel, ob sich eine unterirdische Ausstellungshalle nicht unfreiwillig in einen großen Pool für die Städelschule verwandelt.

          Die Frankfurter Bürger zeigen sich aber angeblich gern in gelben Stiefeln, sie sollen bei einem Fotowettbewerb mitmachen. Die beste Pose gewinnt, ob mit Saxophon in der Hand oder im dynamischen Sprung in die Höhe. Die gelben Plastikstiefel sollen als Meilenstiefel für Aufbruch und Schaffenskraft stehen. Identifiziere dich mit uns!

          Wie wir uns doch alle freuen!

          Doch wer zu laut und zu oft seinen eigenen Namen kräht, erweckt den Verdacht, auf einem Misthaufen zu stehen - oder wie ging noch mal das Sprichwort? Der Marketinggaul ist mit dem Städel durchgegangen: Das Museum hat ein ganzes Einkaufszentrum, die Galeria Kaufhof an der „Zeil“, außen und innen zuplakatiert, als gäb's kein Morgen mehr.

          Überall Gummistiefel, darin Menschen, die wiederholen, wie wir uns doch alle freuen. Doch spätestens nach den Aufklebern auf dem Boden des Kaufhauses wirken die Streiter fürs neue Museum wie verzweifelte Kämpfer gegen Hochwasser - und das Auge sucht nur noch nach Sandsäcken in der Kunstflut.

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