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Kunst für Fukushima : Ausstrahlung

  • -Aktualisiert am

Aus Solidarität mit Japan plant Frankreich eine Wanderausstellung in Fukushima. Jetzt fragen Kritiker, ob Bilder dadurch kontaminiert und wie sie anschließend restauriert werden könnten.

          Die Große Kulturnation ist auch ein Atomstaat. Noch vor Weihnachten war die Entwarnung gekommen: Die Überprüfung aller Atomkraftwerke nach dem GAU in Fukushima habe alle Bedenken ausgeräumt. Dass dort alles viel weniger schlimm herausgekommen wäre, wenn man nur französische Experten mit der Schadensbegrenzung betraut hätte, war gleich nach der Katastrophe zu hören. Die nationale Atomindustrie erkannte in ihr noch schneller eine Marktlücke: Wir bauen die sichersten Atomkraftwerke. Jetzt wird auch die Kunst in ihren Dienst gestellt.

          Im Frühling organisiert Frankreich eine Wanderausstellung in Fukushima und der Region: „Begegnung, Liebe, Freundschaft, Solidarität in den Sammlungen des Louvre“. Es war die „Tribune des Arts“, die das Projekt öffentlich machte. Gefährlich sei es und sinnlos: Mit dem Thema hätten „Die drei Grazien mit Amor“ kaum etwas zu tun. An zwei Schauplätzen drohe eine Bestrahlung, und niemand wisse, wie kontaminierte Bilder renoviert werden könnten. Sievert um Sievert rechnet der Leiter des Louvre seither vor, dass weder im Freien noch in den Ausstellungssälen eine Verseuchung zu befürchten sei.

          Privilegierte Beziehungen zu Japan

          Zudem seien einmalige Vorsichtsmaßnahmen geplant: Die Werke werden in Glaskisten verschickt und diese erst in den Museen ausgepackt. „Aber warum demonstrieren wir unsere Solidarität nicht mit Bagdad oder Haiti“, lästert die „Tribune“ weiter. „Weil der Louvre zu Japan privilegierte Beziehungen unterhält.“ Tatsächlich hatte Präsident Chirac, der das Sumo-Ringen liebt, einst das unwillige Museum zu einer spektakulären Leihgabe gezwungen. Erst vor einem Jahr wurde diese Staatsaffäre in einem Buch enthüllt. Als der Rundfunk wissen wollte, ob die Atomlobby oder die Politik hinter dem neuen Projekt stecke, bekam er vom Louvre keine Auskunft.

          Bei Chirac war es mehr um eine private Affinität zur japanischen Zivilisation gegangen. Gerüchte hatten ihm ein uneheliches Kind und ein Konto angedichtet. Aber selbst in Japan hatte er nicht nur Freunde. Als er seine Wahl mit der Zündung einer Atombombe in Mururoa feierte, wurde er zu „Hiro-Chirac“. Noch immer denken die Franzosen beim Atom an die nationale Unabhängigkeit und setzen auf die Kraft ihrer kulturellen Ausstrahlung: Fukushima mon Amour.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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