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Kultursubventionen : Der Denkinfarkt

          4 Min.

          Niemand wird ernsthaft behaupten, die üppigen Subventionen für Theater, Opern und Museen führten ausnahmslos zu kulturellen Höchstleistungen. Fast jeder saß schon einmal im Theater und starrte ratlos in ein Videobildgewitter, in das jemand Woyzeck-Fragmente hineinschrie, und fragte sich, ob man das Geld nicht besser für etwas anderes ausgegeben hätte. Kaum jemand außer Klaus Wowereit, der sie plante, wird begründen können, warum Berlin noch eine neue Kunsthalle braucht, wo man dort schon vier unterfinanzierte Quasi-Kunsthallen betreibt. Natürlich fragt man sich angesichts der uniformisierten großen staatlichen Ausstellungshallen, die die altbekannten Hits der klassischen bis neueren Moderne in immer matteren Aufgüssen servieren, ob es nicht besser wäre, die zahlreichen kleinen, von Künstlern selbstorganisierten lokalen Ausstellungsorte zu fördern, an denen Gegenwartskunst viel besser gezeigt wird. Und niemand wird bestreiten, dass die Subventionsbürokratie viel zu behäbig ist und reformiert werden muss.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Aber all das reicht - eben weil es keine neuen Erkenntnisse sind und weil kaum jemand diesen Punkten widersprechen würde - noch nicht, um ein ganzes Buch zu füllen. Dieter Haselbach, Leiter des Zentrums für Kulturforschung, Armin Klein, Professor für Kulturmanagement in Ludwigsburg, Pius Knüsel, Direktor der Stiftung Pro Helvetia, und Stephan Opitz, Leiter des Referats für kulturelle Grundsatzfragen im Kieler Bildungs- und Kulturministerium, wollten aber trotzdem eins schreiben und entschieden sich, die richtige, aber wenig aufregende Feststellung eines kulturpolitischen Missstands in Deutschland mit einer möglichst schrillen Forderung zu garnieren. Sie steht im Zentrum ihres Buchs „Der Kulturinfarkt“, das im „Spiegel“ vorabgedruckt wurde und jetzt erscheint, und lautet: Die Hälfte aller subventionierten Museen und Theater können ruhig verschwinden, denn sie sind Folge einer „kulturelle Flutung“ Deutschlands, die seit 1973 unter dem Motto „Kultur für alle“ stattgefunden habe.

          Der Staat förderte, was keinen Markt hat

          Museumsetats seien ins Astronomische gestiegen, „der Glaube an die Gestaltungskraft der Kultur“ jedoch erlahmt: Die Befreiung von ökonomischen Zwängen habe die Kulturinstitutionen in „Elfenbeintürme verwandelt“, vor allem Hochschulen für Kunst und Musik müssten aber „zu Produktionszentren ausgebaut werden, wo nicht nur Theorie gebüffelt und Konzeptkunst erstellt, sondern im Verbund mit Produzenten am Markt die Produkte dem laufenden Wirklichkeitstest unterworfen werden“. Das Ziel wären „Künstler und Kulturmanager, die vom ersten Tag an für diverse Publika produzieren und sich als Unternehmer erproben“. Das ist, als Forderung, gar nicht mal in erster Linie empörend, sondern einfach ein bisschen unterbelichtet: Der Künstler soll endlich einsehen, dass auch er nur ein Unternehmer ist, der sich den Gesetzen des Marktes zu beugen und nach Nachfrage zu „produzieren“ hat; er soll nicht die Frechheit besitzen, außerhalb der kommerzialisierten Alltagswelt seltsame Sachen wie Theorien oder Konzeptkunst herzustellen, die diejenigen, die sie bezahlen, nicht auf Anhieb verstehen und verwerten können. Genau das war zwar einmal die Definition von öffentlich geförderten Universitäten und Kunsthallen - Orte, die sich eine Gesellschaft leistet, um von ihnen herausgefordert zu werden, Erfahrungen mit Fremdem und Unverständlichem zu machen, Erkenntnisse zu gewinnen, die außerhalb des bisher angenommenen Möglichkeitradius liegen. Aber damit soll jetzt Schluss sein.

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