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Kulturstadt Köln : Sparen kostet

Die Kölner Bürgerinitiative „Mut zur Kultur“ hatte es geschafft, dass sich der Stadtrat ihren Begehren nach Rettung des Schauspielhauses anschloss. Die seit 2009 wieder regierende SPD scheint die Sache aber jetzt durch Änderungsanträge zu hintertreiben.

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          Es war das Signal für einen anderen Politikstil, das sich von heute aus wie der Prolog zu den Protesten gegen „Stuttgart 21“ ausnimmt: Innerhalb von knapp drei Monaten waren der Kölner Initiative „Mut zu Kultur“ so viele Stimmen zugeflogen, dass sich der Stadtrat am 13. April ihrem Bürgerbegehren „Rettet das Schauspielhaus“ nur noch anschließen konnte. Am runden Tisch wurden seitdem die Pläne für die Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles erörtert, bis eine „Vollversion“ ausgearbeitet und einvernehmlich akzeptiert war.

          Doch der Erfolg des Bürgerwillens scheint den hier seit 2009 wieder regierenden Sozialdemokraten sauer aufzustoßen. Und so meinten sie, demonstrieren zu müssen, wer in der Stadt das Sagen hat. Als jetzt die von allen Beteiligten favorisierte Variante der Machbarkeitsstudie im Rat beschlossen werden sollte, scherte die SPD kurz vor Sitzungsbeginn aus, setzte den Grünen die Koalitionspistole auf die Brust und erwirkte zwei Änderungen in der von ihrem Oberbürgermeister mitgetragenen Verwaltungsvorlage, die das Projekt zwar nicht mehr kippen, aber um seinen Gehalt und seine Stimmigkeit bringen können.

          So setzt man die Zukunft aufs Spiel

          „Im Hinblick auf die angespannte Finanzsituation“, so der Antrag, soll noch einmal geprüft werden, ob Kinderoper und Studiobühne an anderen Orten, womöglich auch außerhalb des Komplexes, günstiger unterzubringen sind. Die SPD, die sich lange auf einen städtebaulich fragwürdigen und deutlich teureren Schauspielhausneubau festgelegt hatte, möchte Sparwillen bekunden und gibt dafür Planungsvarianten in Auftrag, die zusätzliches Geld und, so die Entscheidung auf einen anderen Standort fällt, auch Transportmittel, Wege und Zeit kosten werden. Es war diese mangelnde Fähigkeit oder auch nur Bereitschaft der Politik, sachdienliche Entscheidungen zu treffen und zügig umzusetzen, mit der sich die alte Kulturstadt Köln in den letzten Jahren immer wieder geschwächt und blamiert hat.

          Der Start-Ziel-Sieg des Bürgerbegehrens schien Muster und Mentalitäten aufzubrechen, die sich schon wieder verfestigen. Denn Fortsetzung droht: Die Ausschreibung des Architektenwettbewerbs für den Neubau des eingestürzten Archivs soll sich um ein Jahr verzögern. Die Auswirkungen des ständigen Rumeierns können, auch wenn ein Zeitverzug noch bestritten wird, an die Substanz gehen. Denn wer Oper und Schauspiel zumutet, noch länger als bis 2015 in Ausweichquartieren überwintern zu müssen, setzt die Zukunft der Theaterstadt aufs Spiel.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

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