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Kulturschäden durch die Flut : Wir sind gerade noch einmal davongekommen

  • -Aktualisiert am

Dessau kam diesmal besser als vor elf Jahren mit den Fluten zurecht. Das Welterbe Bauhaus-Ensemble blieb vom Hochwasser verschont. Das zweite Unesco-Welterbe in Anhalt, das Gartenreich Dessau-Wörlitz, vor elf Jahren schwer betroffen, wurde auch jetzt in Mitleidenschaft gezogen. Die Kulturstiftung kann noch keine Schadenssumme nennen, da derzeit nicht alle Bereiche des Areals zugänglich sind. Am stärksten wurde der Park Luisium getroffen. Gleichwohl: diesmal hielten alle Deiche, Überflutungen entstanden durch Sicker- und Grundwasser.

Die Semperoper wurde verschont

„Der Hochwasserschutz im Freistaat Sachsen hat dieses Mal funktioniert“, stellte Ministerpräsident Tillich am vergangenen Mittwoch in einer Regierungserklärung fest. Das gilt besonders für Dresden und dort erst recht für die Kultureinrichtungen wie die Staatlichen Kunstsammlungen (SKD). Es war ganz anders als vor elf Jahren, als das Unerwartete hereinbrach und die Depots des Kunstmuseums vollliefen. Feuerwehrleute eilten mit wertvollen Gemälden über die Straße, um sie in Sicherheit zu bringen. Mit einer großen Ingenieurleistung wurden das Depot und die Restaurierungswerkstätten in das Obergeschoss des Albertinums verlegt.

Gleichwohl bangten die Verantwortlichen mit dem stetig steigenden Wasserstand. „Werden sich die personellen, organisatorischen und technischen Hochwasserschutzmaßnahmen, die in den vergangenen Jahren aufgebaut wurden, bewähren?“, war die Frage. „Sie haben sich bewährt“, stellt SKD-Generaldirektor Hartwig Fischer zufrieden fest; der Notfallverbund musste nicht aktiviert werden.

Rund um die Semperoper hatte man einen leuchtend orangen dickwülstigen Schlauch verlegt und zusätzlich mit Sandsäcken bewehrt. Das Erdgeschoss des Großbaus war vorsorglich geräumt worden, denn vor elf Jahren hatte die Unterbühne samt technischen Anlagen sowie das Parkett unter Wasser gestanden. Aber diesmal reichten die Fluten nicht einmal an die Barrieren. Dresdens Kunstschatzkammern blieben meist unberührt.

Die Kultur in Sachsen hat keinen Schaden genommen

Nur Schloss Pillnitz mit seinem weitläufigen Park standunter Wasser. Aber das ist dort auch bei niedrigeren Pegelständen oft so. Man kennt das. Als sich die Elbe zurückgezogen hatte, waren Schloss wie Park schon wieder mit geringen Einschränkungen für Besucher geöffnet. In Pirna lief Wasser ins Stadtmuseum und in die Stadtbibliothek. Da man es früh genug hatte kommen sehen, konnten die Objekte in Sicherheit gebracht werden. Dennoch ist der Schaden an den technischen Einrichtungen immens: Etwa 565.000 Euro wird man für die derzeit noch geschlossene Stadtbibliothek aufwenden müssen. Und die private Kleinkunstbühne Q24 vermeldet einen Schaden von 470.000 Euro. Sie alle, Stadt und private Betreiber, hoffen nun auf den Fluthilfefonds. Mittlerweile sucht man Ausweichquartiere, um den Betrieb aufrecht zu halten und Einnahmen zu erzielen.

Das ist in Riesa nicht anders, wo es die Stadthalle Stern, den früheren Kulturpalast, erwischt hat. Auch das Stammhaus der Elblandphilharmonie war überflutet. Instrumente und Notenarchiv waren rechtzeitig geborgen worden. Jetzt geht es an die bauliche Instandsetzung.

Bei strahlendem Sonnenschein wird aus Meißen berichtet, dass das Wasser, das tagelang in der Altstadt stand, wieder weg sei. Bürger und Geschäftsleute sind dabei, die kleinen Gassen neu herauszuputzen, vor Restaurants und Kneipen stehen schon Tische und Stühle unter Sonnenschirmen. Anders das Theater, ein hübsches kleines Haus, das von der Sächsischen Landesbühne und anderen Gastspiel-Theatern bespielt wird. Es wird dauern, bis es wieder seinen Zweck erfüllen kann. Gleichwohl bereitet man sich für „die lange Nacht der Kunst und Kultur“ vor, die am 6. Juli stattfinden soll. Die Wahrzeichen Meißens, die Albrechtsburg und der Dom, stehen hoch oben, wie immer sicher vor jeder Flut.

Kunst und Kultur in Sachsen haben durch dieses Hochwasser keinen Schaden genommen. Das ist die Botschaft, die überall zu hören ist.

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