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Kulturpolitik : Peymann kritisiert Ausverkauf in der Berliner Kulturpolitik

  • Aktualisiert am

Claus Peymann Bild: dpa

Der Berliner Senat will die Opernhäuser in GmbHs umwandeln. Claus Peymann, Leiter des Berliner Ensembles, protestiert.

          2 Min.

          Mit heftigen Attacken gegen die Berliner „Ausverkaufspolitik“ im Kulturbereich hat Claus Peymann am Freitag seine nächsten Spielplanvorhaben am Berliner Ensemble angekündigt.

          Peymann „gratulierte“ dem Berliner Senat zu der „hundertprozentigen Steigerung der Erlöse beim Verkauf von Theatern“. Das 1993 als Staatliche Schauspielbühne geschlossene Schiller-Theater sei noch für eine Mark verkauft worden, das Metropol-Theater jetzt für einen Euro. „Die Staatsoper wird dann für einen Dollar verschleudert“, sagte Peymann. Er forderte Kultursenator Christoph Stölzl (CDU) dazu auf, alle Bühnen zu einem Kosten- und Leistungsvergleich heranzuziehen und dabei „die Karten auf den Tisch zu legen, um das Finanzgebaren vergleichbar zu machen“.

          Auf dem Spielplan des Berliner Ensembles stehen zunächst eine Neuinszenierung des „Stellvertreters“ von Rolf Hochhuth zu dessen 70. Geburtstag am 1. April. Regie führt Philip Tiedemann, den Papst spielt Hans-Michael Rehberg. Die Premiere ist im Juli geplant. Hochhuth ist über die Ilse-Holzapfel-Stiftung Eigentümer des Grundstückes des ehemaligen Brecht-Theaters am Schiffbauerdamm. „Wir sind das einzige Theater, das das Stück von 1963 herausbringen kann, die Weltrechte liegen zurzeit bei Costa Gavras, der das Stück verfilmt“, meinte Peymann.

          Die wegen Krankheit im Januar geplatzte Uraufführung des neuen Stücks von Elfriede Jelinek „Macht nichts“ in der Regie von Einar Schleef kann frühestens im Juni nachgeholt werden, da der Regisseur erst am Donnerstag aus der Rehabilitationsklinik zurückgekehrt sei. Peymann selbst inszeniert Shakespeares „Maß für Maß“, Premiere ist am 5. Mai. Die nächsten Uraufführungen sind „Zigarren“ von Franz Wittenbrink mit Nina Hoss und Jürgen Holtz, „Die Unsichtbare“ von Christoph Ransmayr mit Kirsten Dene und „Ich liebe dieses Land“ von Peter Turrini. Zum 80. Geburtstag des 1988 gestorbenen Dichters Erich Fried präsentiert sein Verleger Klaus Wagenbach den Abend „Erich Fried erzählt Angela Merkel, wie es wirklich war“.

          In der Debatte über die 68er-Bewegung und die Vergangenheit von Politikern wie Außenminister Joschka Fischer „eine neue Restauration in Deutschland“ aufziehen. 1968 sei „eine Art Pubertät gewesen mit der Hoffnung auf ein anderes Erwachsensein“, sagte Peymann am Freitag vor Journalisten im Berliner Ensemble. Dafür habe er sich auch mit Polizisten geprügelt.

          „Es ist schockierend, jetzt den Versuch der neuen Biedermänner ohne Unterleib und ohne Vergangenheit zu erleben, den großen Aufbruch von 1968, der endgültig die Nazi-Zeit beendet und Deutschland vom Mief und Staub gereinigt hat, zu kriminalisieren oder in den Schmutz zu ziehen“, meinte der Intendant und Regisseur, der zur damaligen Zeit mit den anderen „Jungen Wilden“ wie Peter Stein und Peter Zadek den Aufstand am Theater probte. „Da war auch viel Unsinniges dabei, aber alte hierarchische Strukturen wurden ein für allemal hinweggefegt.“

          „Es ist auch traurig, dass die Protagonisten von damals jetzt gezwungen werden, sich von ihrer damaligen Zeit und damit von ihrer eigenen Geschichte zu distanzieren und das auch tun.“ Vielleicht gebe das aber auch dem heutigen Theater einen neuen Antrieb, sich gegen diese Art „des neuen Biedermeier“ aufzulehnen. „Ob uns das gelingt, wird man sehen, die Hoffnung besteht natürlich.“

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