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Kulturpolitik : Berliner Tandem

  • -Aktualisiert am

Udo Kittelmann soll die Alte und die Neue Nationalgalerie leiten Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Berliner Museen erhalten eine Doppelspitze - und dem Rest der Republik bleibt das Staunen: Michael Eissenhauer und Udo Kittelmann werden Nachfolger von Peter-Klaus Schuster. Beider Karrieren sind untypisch für den Kunstbetrieb.

          Die Berliner Museen erhalten eine Doppelspitze - und dem Rest der Republik bleibt das Staunen: Dem Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, der im kommenden Jahr seinen Posten abgibt, werden Michael Eissenhauer, bisher Präsident des deutschen Museumsbundes, und Udo Kittelmann, bisher Leiter des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, nachfolgen. Der Entscheidung der Findungskommission muss am Dienstag noch der Stiftungsrat zustimmen, wovon jedoch ausgegangen werden kann.

          Aus eins wird damit zwei, was angesichts des sichtlich von Vernissagen, Eröffnungen und Pressegesprächen überlasteten Schuster sinnvoll scheint; über eine Aufspaltung des Amtes war im Vorfeld bereits spekuliert worden, wem zu rechnen sei, blieb aber lange unklar. Am hartnäckigsten hielt sich der Name Max Holleins, Direktor der Kunsthalle Schirn und des Städels in Frankfurt, der allerdings früh erklärte, nicht zur Verfügung zu stehen. Danach herrschte - von den üblichen, aber unrealistischen Verdächtigen wie Klaus Biesenbach abgesehen - in den Töpfen der Gerüchteküche gähnende Leere, ein Vakuum, in das nun Eissenhauer und Kittelmann vorgestoßen sind.

          Ungewöhnliche Karrieren

          Beide legen damit eine im Kunstbetrieb ungewöhnliche Karriere hin: Eissenauer, Jahrgang 1956, absolvierte zuerst eine Ausbildung als Schreiner, bevor er Kunstgeschichte, Archäologie und Literaturwissenschaft studierte; nach Stationen an Museen in Nürnberg, Berlin und auf der Veste Coburg leitet er seit 2001 die Staatlichen Museen Kassel. Auch Udo Kittelmann, geboren 1958, übte zuerst einen praktischen Beruf aus - bis 1988 war er Optiker -, bevor er zum Kuratieren zeitgenössischer Kunstausstellungen überwechselte und 2002 das Museum für Moderne Kunst übernahm.

          Die Tandem-Lösung in Berlin sieht vor, dass Eissenhauer die organisatorischen Tätigkeiten in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übernimmt, Kittelmann dagegen als Direktor die Neue und die Alte Nationalgalerie leitet. Den Frankfurter Museums-Chef nach Berlin zu holen ist eine deutliche Entscheidung für die Gegenwartskunst. In die Kritik war Schuster, der gerne verlängert hätte, vor allem wegen der Profillosigkeit des Museums für Gegenwart - Hamburger Bahnhof geraten. Hier wird Kittelmann sein Talent beweisen müssen, während sich Eissenhauer vor allem die Frage stellt, wie es mit der Museumsinsel weitergehen soll und wie das Humboldt-Forum im Neuen Schloss sinnvoll gefüllt werden könnte.

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