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Kulturpolitik : Berlin: Kultursenatoren kommen und gehen

  • -Aktualisiert am
Adrienne Goehler kämpfte erfolgreich für die Kultur in Berlin - bis jetzt
          2 Min.

          „Die Berliner Kultursenatoren wechseln ja wie das Wetter.“ Claus Peymann bringt mit diesem jüngsten Stoßseufzer eine Malaise der Hauptstadtkultur auf den Punkt. So kann sie wohl kaum zu Stabilität finden und die Kräfte sammeln, um zu neuen Ufern aufzubrechen: Mit dem überraschenden „Aus“ für die geplante Ampel-Koalition wird Berlin in zweieinhalb Jahren den fünften Kultursenator bekommen.

          Nach der seinerzeit mit viel Vorschusslorbeeren bedachten CDU- „Allzweckwaffe“ Peter Radunski in der Rolle des Berliner Kultursenators, warf die Parteikollegin Christa Thoben schon nach rund 100 Tagen entnervt das Handtuch, gefolgt von dem eloquenten und geistreichen einstigen Museumsdirektor Christoph Stölzl, der während seiner Amtszeit in die CDU eintrat. Aber er musste nach einem Jahr zusammen mit dem gesamten Senat der Großen Koalition, die eine Bankenaffäre erschütterte, im Sommer 2001 zurücktreten.

          Adrienne Goehler hielt sich gut auf dem Schleudersitz

          Mit Klaus Wowereit an der Spitze eines rot-grünen Übergangssenats bis zu den Neuwahlen im vergangenen Oktober schlug sich dann die als Hamburger Hochschulpräsidentin nicht unumstrittene Adrienne Goehler (parteilos) recht wacker auf diesem Schleudersitz und wäre auch gerne geblieben, wenn es denn die Koalitionsfrage erlaubt hätte. Sie kämpfte auch bei den schließlich gescheiterten Verhandlungen für eine Ampel-Koalition mit Zähnen und Klauen für ihren Kulturhaushalt, den andere von den allgemeinen Einsparungen zur Sanierung des schwer angeschlagenen Berliner Haushalts nicht ausnehmen wollten.

          Auch ihr Nachfolger dürfte damit seine liebe Not haben und um unliebsame Einschnitte in dem einen oder anderen Kulturbereich kaum herumkommen, wenn er eigene Prioritäten setzen will und keinen Euro mehr bekommt. Bisher hatte Wowereit selbst ein starkes Engagement für die Kultur gezeigt. Sein bisheriger Chef der Senatskanzlei und Parteigenosse, André Schmitz, wäre für das Amt des Kultursenators geeignet, zumal er als Verwaltungsdirektor an Theatern Erfahrungen gesammelt hat. Auch die Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses, Monika Griefahn (SPD), war immer wieder dafür im Gespräch.

          Gysi bringt sich als Kultursenator wieder ins Gespräch

          Und sollte der PDS-Spitzenpolitiker Gregor Gysi seine Vorliebe für die Kultur in Taten umsetzen und frühere Andeutungen, ihn würde der Posten reizen, wahr machen, würde auch er sich schnell auf dem harten Boden der Realitäten wiederfinden, auch wenn er für Bildung und Kultur eine „unbedingte Priorität“ sieht. Schon hat er das Hauptproblem angesprochen, das auch seine Vorgänger und selbst der Regierende Bürgermeister immer wieder betonten: der Bund müsse sich stärker in der Hauptstadtkultur engagieren, die Stadt sei in ihrer akuten Finanznot völlig überfordert.

          Im Vordergrund steht dabei die immense Last der zwei Milliarden Mark teuren Sanierung der Museumsinsel, eines Unesco-Weltkulturerbes. Aber natürlich müssen auch Berliner „Hausaufgaben“ gemacht werden. Einige Häuser müssten lernen, verantwortlich mit öffentlichen Geldern umzugehen, hatte Wowereit schon im Sommer deutlich gemacht. Das Theater des Westens, das bisher 20 Millionen Mark Subventionen erhielt, wird jetzt privatisiert. Auch anderen Bühnen droht der Subventionsentzug.

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