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Kulturhauptstadt 2010 : Essen und Görlitz vorgeschlagen

  • Aktualisiert am

Essen und Görlitz sollen ins Rennen um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt 2010 gehen. Eine Expertenkommission wählte die Städte aus zehn Bewerberstädten und -regionen aus.

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          Das nordrhein-westfälische Essen und die sächsisch-polnische Grenzstadt Görlitz/Zgorzelec sollen auf Vorschlag einer deutschen Expertenkommission ins Rennen um den Titel der Kulturhauptstadt 2010 gehen. Das wurde am Rande einer Tagung der Kulturministerkonferenz (KMK) am Donnerstag abend in Berlin bekannt.

          Die beiden Bewerber habe die Jury der Kulturstiftung der Länder aus zehn Städten und Regionen ausgewählt, teilte die Präsidentin der KMK, Johanna Wanka (CDU), mit. Die Experten hätten an erster Stelle Essen und an zweiter Stelle Görlitz vorgeschlagen. Johanna Wanka sagte, sie sei „beeindruckt“ davon, wie fair alle zehn Bewerberstädte miteinander umgegangen seien.

          Die KMK will die Vorschläge an den Bundesrat weiterleiten. Dieser kann die Entscheidung übernehmen oder ändern. Das deutsche Votum wird voraussichtlich im Juni vom Auswärtigen Amt an das Europäische Parlament und die Europäische Kommission weitergeleitet. Die endgültige Nominierung der Kulturhauptstadt 2010 wird auf europäischer Ebene wahrscheinlich im ersten Halbjahr 2006 erfolgen.

          Beifall und Enttäuschung

          In Görlitz war die Freude nach dem Votum groß. „Das ist eine gute Entscheidung“, sagte Oberbürgermeister Rolf Karbaum (parteilos). „Ich habe immer daran geglaubt, daß wir dabei sind.“ Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) verkündete die Entscheidung unter Beifall im Landtag und brach sofort in die Neißestadt auf.

          „Trotz dieser unerwarteten Entscheidung wird die Dynamik des begonnenen kulturellen Stadtentwicklungsprozesses in Kassel weitergehen. Kassel hat bereits gewonnen, auch wenn die Jury offenbar andere Schwerpunkte in ihrer Beurteilung für wichtig gehalten hat, als die Stadt sie mit ihrer Bewerbung hat vermitteln können“, sagte dagegen der Kasseler Oberbürgermeister Georg Lewandowski.

          Sachsens Wissenschaftsministerin Barbara Ludwig (SPD) sagte, das Konzept der Stadt, das auf Kultur, Bildung und die Künste als Grundlage europäischen Zusammenlebens setze, „verkörpert wie kaum ein anderes die Idee der europäischen Einigung. Eine europäische Stadt zweier Nationen, zweier Sprachen, zweier Kulturen - das ist das ganz große Potenzial dieser Bewerbung.“

          „Kommen kulturell nach vorne“

          Ihre NRW-Amtskollegin Hannelore Kraft (SPD) freute sich für das Ruhrgebiet: „Es ist super, daß diese Region kulturell nach vorne kommt“, sagte sie am Abend. Es sei „ganz toll, daß sich die Städte des Ruhrgebiets für die Bewerbung zusammengetan haben“.

          Es gebe eine besondere Art von Kultur im Ruhrgebiet, weil sie dort in früheren Industriestätten stattfinde. NRW-Umweltminister Michael Vesper (Grüne) sagte: „Die Jury hat genau unser Anliegen aufgegriffen, die ganze Region kulturell umzuwidmen und ihr eine von Kultur geprägte Zukunft zu erschließen.“ Man wolle nun alles daran setzen, auch auf europäischer Ebene zu überzeugen.

          Zwei Titelträger

          Um die zehn neu hinzugekommenen EU-Länder in das Projekt einzubinden, werden von 2009 bis 2019 jährlich zwei Titelträger, jeweils aus einem alten und einem neuen Mitgliedstaat, ernannt. 2010 wird deshalb neben Deutschland auch Ungarn eine Kulturhauptstadt stellen. In Deutschland trugen zuletzt Berlin (1988) und Weimar (1999) den begehrten Titel.

          In diesem Jahr ist das irische Cork die Kulturhauptstadt, 2006 ist Patras in Griechenland an der Reihe. Ausschlaggebend für die Nominierung sind eine sehr gute Management- und Kommunikationsarbeit im kulturellen Bereich.

          Weitere Auswahlkriterien sind die Förderung des Dialogs mit Jugendlichen und den europäischen Nachbarn sowie die Fähigkeit, den zu erwartenden Touristenströmen gerecht zu werden. Besonderer Wert wird darauf gelegt, die Stadt dauerhaft als Kulturstandort etablieren zu können.

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