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Kulturförderung : Die Stille vor dem Sturm

Modell mit Zukunft? Die Frankfurter Mäzenatin Dagmar Westberg übergibt das Triptychon des „Meisters der von der Grooteschen Anbetung” dem Direktor des Städel, Max Hollein Bild: dpa

Mitten in der Rezession herrscht im Kulturbetrieb demonstrative Gelassenheit. Selbst Spekulationen bleiben unter Verschluss, als wären sie Geheimsache. Doch so viel scheint sicher: Viele gestern noch sprudelnde Geldquellen werden bald nur noch tröpfeln.

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          Während in der Finanzwelt die Milliardenverluste verkündet werden, als sei ein Wettbewerb um das größte Schuldenloch ausgebrochen, während Banken verstaatlicht, Konjunkturpakete geschnürt und Investitionen in allen möglichen Branchen gefordert und versprochen werden, ist es um die Kultur seltsam still. So still, als sei sie von der Finanzkrise gar nicht betroffen. Kein Theaterintendant jammert lauter als sonst, kein Museumsdirektor schreit auf, kein Kulturpolitiker beschwört warnend die Abgründe, die sich in den Etats seiner Institutionen demnächst auftun könnten. Müsste nicht allein schon die schlichte Logik der üblichen Verteilungskämpfe gebieten, dass auch die Kulturlobby sich jetzt bemerkbar macht? Gilt nicht mehr denn je: Wer jetzt die Hand nicht offenhält, der kann sie gleich geschlossen lassen?

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

          Und doch herrscht Ruhe im Kulturbereich. Die Etats des laufenden Jahres sind gesichert, und vorauseilendes Jammern erscheint weder opportun noch erfolgversprechend. Auch möchte sich niemand dem Vorwurf der Panikmache aussetzen. Und schließlich, so ist überall zu hören, könne ja noch kein Mensch wissen, welche Auswirkungen die Finanzkrise für den Kulturbereich haben werde. Das stimmt, aber offenbar wagt auch niemand, es sich auszumalen. Selbst Spekulationen bleiben unter Verschluss, als wären sie Geheimsache. Herrscht also genau jene Art von Stille, die auf den Sturm verweist?

          Dröhnendes Schweigen

          Im bayerischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst demonstriert man Gelassenheit, und auch Hessen zeigt sich entspannt: Streichungen seien zurzeit nicht geplant, der bayerische Doppelhaushalt 2009/2010 weist sogar einen Zuwachs von 6,7 Prozent für die Kultur aus. Thomas Girst, Sprecher der BMW-Kulturkommunikation und Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Kultursponsoring beim Bund Deutscher Industrie, weist darauf hin, dass viele Projekte langfristig angelegt sind und viele Sponsorenverträge Laufzeiten von mehreren Jahren haben. Ähnliches hört man aus den großen Stiftungen: Normalität wird suggeriert und Gelassenheit demonstriert. Und über das, was nach dem Jahr 2009 geschehen könnte, wird so dröhnend geschwiegen, dass es einem in den Ohren saust.

          Bald ohne Spielzeitpartner Volkswagen AG: Die Deutsche Oper in Berlin
          Bald ohne Spielzeitpartner Volkswagen AG: Die Deutsche Oper in Berlin : Bild: Deutsche Oper

          Dabei muss man kein Pessimist sein, um sich vorzustellen, wie stark die Kürzungen der nächsten Jahre ausfallen könnten. Dann müsste man zwangsläufig die Frage noch einmal ganz neu stellen, auf welchen Säulen die Kulturfinanzierung hierzulande ruhen beziehungsweise wanken soll. Für Rolf Bolwin, den Direktor des Deutschen Bühnenvereins, besteht kein Zweifel daran, dass eine überwiegend private Finanzierung von Kunst und Kultur, wie sie in Amerika betrieben wird, bei uns nicht funktionieren kann. Aus Hessens Kunstministerium ist das Gegenteil zu hören: „Privates Engagement in der Kultur ist heute unerlässlich.“ Aber welches Szenario wird sich abzeichnen, wenn abzusehen ist, in welchem Ausmaß auch Kulturinstitutionen, Stiftungen und private Mäzene Verluste auf dem Finanzmarkt erlitten haben? Bislang sind nur einige wenige Beispiele bekannt: Die Universität Harvard verlor in Monaten acht Milliarden Dollar, die deutsche Stiftung Industrieförderung hat ihr Kapital mit Aktien weitgehend vernichtet. Einige italienische Bankenstiftungen und etliche Stiftungen in Großbritannien sollen ebenfalls in Schwierigkeiten stecken. Englische Stiftungen, sagt Wilhelm Krull, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, hätten nicht selten sechzig bis siebzig Prozent ihres Vermögens in Aktien oder Private Equity Fonds investiert und damit früher hohe Rendite erzielt. Jetzt denke man dort natürlich anders über diese Art der Geldanlage.

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