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Kultureinsparungen in Spanien : Tragödie mit halbem Chor

„Kultur ist kein Luxus“: Junge Demonstranten protestieren gegen die drastischen Einsparungen im Kulturbereich Bild: JOSEP LAGO/AFP

Spanien muss sparen, doch die Kürzungen im Kulturbereich gehorchen der Maxime: Wie richtet man größtmöglichen Schaden an, damit nichts mehr nachwächst?

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          Aus den vermischten Nachrichten dieser Tage: Die Regionalregierungen von Katalonien und Andalusien sträuben sich gegen die verordnete Budgetkürzung durch die Rajoy-Regierung. Andalusien, heißt es, erwägt juristische Mittel, um das Spardiktat aus Madrid zu unterlaufen. Wie es die Europäische Union von Spanien verlangt, wird in allen Bereichen die Schere angesetzt. Doch die Folgen der Austeritätspolitik zeigen sich in den spanischen Regionen auf jeweils andere Weise, denn nicht nur sind sie in unterschiedlichem Maße verschuldet, sie lassen sich auch andere Auswege einfallen, die am Ende Sackgassen sind. Die einen feuern Ärzte und Pflegepersonal, andere schließen ganze Krankenhäuser, wieder andere (oder dieselben) stellen die Gehaltszahlungen im öffentlichen Dienst ein.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Gemeinsam ist allen spanischen Regionen, dass sie in den Bereichen zuschlagen, die in ihrer Kompetenz liegen, und das sind vor allem Gesundheit und Bildung. Die Zeitung „El País“ berichtet über einen Fall aus dem Küstenort Mataró bei Barcelona. Weil die katalanische Regionalregierung vielen Sozialeinrichtungen im letzten Monat wegen eigener Überschuldung kein Geld mehr überwiesen hat, stehen Ärzte, Betreuer und Sozialarbeiter ohne Lohn da. Das Budget der Heime für Waisen und Behinderte wird zu siebzig bis achtzig Prozent aus öffentlichen Mitteln bestritten. Ein Betreuer dort verdient 1300 Euro im Monat. Der Sprecher einer Stiftung, die sieben Heime unterhält, kalkuliert, dass zwei weitere Monate Zahlungsausfall die Schließung von Einrichtungen nach sich zöge. Ein Arzt, der in Mataró seit siebzehn Jahren mit Behinderten arbeitet, gibt zu Protokoll, im Juli kein Gehalt bekommen zu haben. Die Arbeit niederzulegen kommt für ihn aber nicht in Frage. „Es ist ungerecht, dass die Schwächsten den größten Schaden erleiden“, sagt der Fünfundfünfzigjährige, „gerade jetzt brauchen sie uns.“

          Ein Ringen um Qualität

          Natürlich kann man nicht alle Einsparungen beklagen, denn irgendwo muss nun einmal Geld abgezogen werden, wenn das gigantische Haushaltsdefizit reduziert werden soll. Insofern geht die Rajoy-Regierung so drastisch vor, wie es sich Deutschland nur wünschen kann, und nimmt auf Jahre hinaus eine schrumpfende Wirtschaft in Kauf - mit dem Effekt, dass die Steuereinnahmen sinken, die Zahl der Arbeitslosen wächst und Spanien bei Risikoprämien auf Rekordniveau immer mehr Schulden aufnehmen muss, um die Rezession zu bekämpfen. Was außerdem heißt, dass die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone wohl noch öfter um Hilfe bitten wird.

          Unter seiner Führung hat die Caja Madrid all ihre Konzertreihen und Förderprogramme fallengelassen: im Mai trat Rodriga Rato von diesem Posten zurück
          Unter seiner Führung hat die Caja Madrid all ihre Konzertreihen und Förderprogramme fallengelassen: im Mai trat Rodriga Rato von diesem Posten zurück : Bild: REUTERS

          Einen genaueren Blick verdienen die Bereiche Kultur und Bildung. Die Opernhäuser von Barcelona und Madrid etwa haben mit Streiks zu kämpfen, fahren ihr Programm herunter und ringen um jedes bisschen Qualität, das sich retten lässt; bei der letzten Aufführung der „Aida“ vor der Sommerpause im Gran Teatre de Liceu etwa trat nur der halbe Chor an, die andere Hälfte demonstrierte auf der Straße. Auch auf die spanischen Museen warten harte Zeiten. Vergangene Woche kündigte der Direktor des Museums für zeitgenössische Kunst von Kastilien und León seinen Rücktritt zum Ende des Jahres an, weil er sich durch die Leitung in Zeiten der Krise „ausgelaugt“ fühle. Schon Ende 2011 hatte der Direktor des Meeresmuseums in Vigo (Galicien) aus Protest gegen Mittelkürzungen die Brocken hingeworfen.

          Höhere Steuern auf Eintrittskarten

          Mitte Juli erlebte die Kulturszene ihren bisher größten Schock. Die Regierung verkündete, welche Produkte von der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 18 auf 21 Prozent zum 1.September betroffen sind. Die gute Nachricht: Bücher behalten ihren Sonderstatus und bleiben mit dem Minimalsatz von vier Prozent besteuert. Entgegen ursprünglichen Befürchtungen konnten sich auch Schulbücher und Landkarten in diese Schutzzone retten. Der Begriff „Unterrichtsmaterial“ wurde in der Neuregelung jedoch gestrichen, so dass sämtliches Arbeitszeug der Kinder - Hefte, Stifte, Radiergummis, Lineale, Zirkel - künftig nicht mehr mit vier, sondern mit 21 Prozent Mehrwertsteuer belegt wird.

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