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Roboter : Wir laufen auf Autopilot

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Die meisten würden wohl für letzteres optieren. Der Common Sense, der gesunde Menschenverstand, ist damit noch nicht abgeschafft. Eine Maschine würde jedoch in einer solchen Situation genauso operieren. Der Mensch verhält sich damit wie eine Maschine; das Denken wird an die Technologie outgesourct, die Entscheidungsfindung automatisiert.

Automatische Entscheidungsfindung

„Wir neigen dazu, auf Autopilot zu schalten, um schnell und vorhersagbar auf die Stimuli eines ,Ich stimme zu‘-Buttons zu reagieren“, meint Frischmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Egal, ob auf Internetseiten, mobilen Apps oder dem smarten Fernseher im Wohnzimmer – man klickt sich einfach durch. Man wird von einer Seite zur nächsten geschubst (Stichwort Nudging), ohne zu merken, dass man fremdgesteuert ist.

Es ist eine Automatisierung der Handlungen. Nun stelle man sich einmal vor, man lebte in einer Umwelt, in der Facebook oder ein anderes soziales Netzwerk erfolgreich die Emotionen eines Individuums programmiert hat. Vielleicht hat man diesem Setting zugestimmt, vielleicht aber hat Facebook einfach mal wieder manipulierte Feeds angezeigt.

Wer löst dann die Emotionen aus? Facebooks Algorithmen? Oder man selbst? Oder spielt es gar keine Rolle mehr, wer die Gefühle induziert? Die Baseline zwischen Maschine und Menschen verschwimmt. Die irritierende Frage ist: Kann die Internet-Technologie Menschen in Maschinen verwandeln?

Facebook schleift uns zu willfährigen Statisten, die wie ein Bingo auf den Gefällt-mir-Knopf drücken sollen. Frischmann spricht von einem technosozialen „Engineering“, eine Konstruktion unserer Gedankenwelt: Überzeugungen, Präferenzen und Emotionen.

Die Tech-Giganten sind von der Idee beseelt, den Menschen formbar zu machen wie ein Bauwerk. Der Informationskapitalismus ist eine Welt des In-den-Kopf-Eindringens geworden.

Den Menschen formen

Es geht darum, unsere Präferenzen so zu steuern, dass sie für ökonomische Ziele dienstbar gemacht werden können. Im Internet der Dinge, wo vom Auto bis zur Zahnbürste alles miteinander vernetzt ist, wird auch der Mensch zu einer berechenbaren Größe – so kalkulierbar wie der Strombedarf. Und wo alles berechenbar ist, da ist auch alles vorhersehbar und steuerbar.

Die Gefahr, die Frischmann beschwört, besteht gar nicht so sehr darin, dass uns die künstliche Intelligenz den Rang abläuft oder Roboter uns den Job wegnehmen. Er fürchtet vielmehr, dass sich Menschen in dieser Umwelt selbst wie Maschinen verhalten – als perfekt rationale, vorhersagbare und programmierbare Einheiten. Das amerikanische Militärforschungszentrum DARPA plant, Soldaten einen Computerchip ins Gehirn zu implantieren, der ihr Seh- und Denkvermögen optimiert.

Es wäre der Beginn des Cyborgs-Kämpfers, eines ferngesteuerten Soldaten wie im Science-Fiktion-Film. „Die Quintessenz ist die, dass viele unserer Grundfreiheiten – der freie Wille, Redensfreiheit – Kontingent mit der technosozialen Umwelt sind, in der wir leben und unsere Fähigkeiten entwickeln“, resümiert Frischmann. Wenn wir nur noch auf Autopilot „laufen“, sprich nur noch nach einer von Technikkonzernen festgelegten Anleitung funktionieren, wird die Autonomie zur Illusion.

Für Frischmann besteht der einzige Ausweg aus diesem digitalen Diktat in der Freiheit, „off zu sein“ – deren Konstitutionalisierung sei die wichtigste Aufgabe im 21. Jahrhundert. Womöglich ist der intellektuelle Clou dieser Entwicklung, dass der Kunde bei Hotlines in Zukunft nicht mehr weiß, ob er es mit einem computerisierten Sachbearbeiter oder einem roboterhaft operierenden Menschen zu tun hat.

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